So oder so aehnlich drueckte sich der juengste Verehrer ueber meine momentane Mitbewohnerin aus. Nachdem sie in den vergangenen 3 Monaten 3 mal kurz mit ihm gesprochen hatte und er eigentlich nichts ueber sie weiss ausser ihren Namen, verliebte er sich unsterblich in sie (er ist definitiv mindestens so alt wie ich). Dies musste er ihr dann auch direkt beichten. Meine Aufgabe war es nun also dem jungen Charmeur zu verraten, dass Ruth bereits einen Freund hat. Um die Sache ein bisschen kamerunischen Verhaeltnissen anzupassen, erfand ich, dass sie bereits verlobt sind und naechstes Jahr heiraten werden. Der Termin steht auch schon bereits fest – versteht sich. Seitdem fuehre ich in regelmaessigen Abstaenden Maennergespraeche mit ihm ueber Ruth. Ich versuch ihm dabei immer verstaendnissvoll zu verklickern, dass man Liebe und Gefuehle nicht erzwingen kann und sie nun bereits vergeben ist. In Nebensaetzen erwaehne ich dann auch ganz sanft, dass es scheinbar doch gewisse Definitionsunterschiede von “liebe” zwischen Europaern und Kamerunern gibt. Ich bin ehrlich gesagt recht froh darueber, dass die damen in Belo nicht so direkt sind wie die Maenner!
Ansonsten waren die letzten Wochen eher arbeitslastig. Mit meiner 3. Klasse habe ich meinen ersten Test geschrieben. Die Lehrerin hatte mich bereits ueber die schlechten Lese- und Schreibkenntnisse gewarnt und meinte ich sollte doch nur Multiple Choice Fragen stellen. Da ich aber denke, dass man dadurch nicht das Wissen und die Anwendbarkeit des Stoffes testen kann, nahm ich noch 2-3 andere Fragen mit auf. Dies stellte sich als fataler Fehler heraus, da sich in meinem Test bewahrheitete was ich wochenlang befuerchtete. Die Kinder sind super im Abschreiben von der Tafel, aber verstehen tun sie das Geschriebene so gut wie nie. Kein einziges Kind konnte auf franzoesisch schreiben wie es heisst und wie alt ist es. Dabei mussten sie sogar noch nicht mal den ganzen Satz schreiben, sondern nur das fehlende Wort einsetzen. Beim multiple choice waren auch mehr als die haelfte ueberfordert. Dabei dachte ich, dass ich den Test schon so leicht wie moeglich gemacht habe. Naja das Ergebnis war alles andere als erfreulich. Von insgesamt 78 Kindern haben lediglich 8 bestanden. Sprich 10 Punkte oder mehr von 20. Das beste Ergebnis waren 15 Punkte und das schlechteste 0 Punkte, und das dann gleich 9 mal. Ziemlich frustrierend. Aber die Lehrerin nahm es mit Humor und meinte nur zu mir, dass die Kinder halt so sind. Natuerlich tragen die Kinder eine gewisse Mitschuld groesstenteils. Ich meine der Test war angekuendigt und nach der Haelfte des Tests musste ich feststellen, dass einige Kinder nicht schreiben weil sie ihren Kugelschreiber nicht dabei haben. Also anstatt vielleicht Pruegel zu bekommen weil sie den Kuegelschreiber vergessen haben, sitzen sie lieber da, sagen nichts und schreiben den Test nicht. ABER, wie dem auch sei, die Lehrerin zeigte keine Spur von Selbstreflexion. Alle kinder in dieser Klasse haben ein Riesenschreibproblem. Das kommt sicherlich nicht von ungefaehr. Und so lange sie weiterhin Multiple choice tests schreiben, werden sie auch nicht besser in Schreiben und Fragen beantworen. Somit hat mich am Ende nicht das schlechte Ergebnis am meisten schockiert, sondern die Reaktion der Lehrerin. Das Problem ist oft in den Schulen, dass die meisten Lehrer keinerlei Ausbildung haben, sondern einfach als Lehrer arbeiten. Ist immerhin gut bezahlt und ein sicherer Job. Aber oft sind es die Kinder, die darunter leiden. Wobei ich auch gestehen muss, dass es einige wenige engagierte und gute Lehrer hier gibt.
In den letzten 2 Wochen trafen Ruth und ich ebenfalls, nach langem Ueberlegen, die Entscheidung, dass wir nicht mehr bekocht werden wollen, sondern unser eigenes Essen zubereiten wollen. Unsere Haushaelterin sowie Joshua waren nicht wirklich begeistert und das fuehrte in den letzten Tagen und Wochen immer wieder zu Konflikten. Aber nachdem ich zum 2. Mal krank wurde, eine Nacht kotzend auf dem klo vebrachte und im Anschluss 4 tage lang so gut wie nix essen wollte, war das Fass einfach voll. Das klingt vielleicht ignorant und nicht gerade offen fuer “neues”, aber nach 2 ½ Monaten hatte ich das Essen einfach satt. Am Anfang war ich wirklich ueberrascht ueber die Vielfalt des Essens hier. Aber im Endeffekt konnte unsere neue Koechin 4 verschiedene Gerichte und ich kann einfach nicht jeden 2. Tag Reis und Bohnen oder Reis mit Karotte essen. Das klingt wirklich verwoehnt und ihr koennt euer eigenes Urteil faellen, aber ich bevorzuge einfach das zu kochen was ich gerade essen will und worauf ich Lust habe. Und im Endeffekt geht es dabei ja auch um meine Gesundheit. Wie dem auch sei, Ruth und ich rocken also jetzt die Kueche und machen Pizza, Nudelauflauf, Ananas-Chilli-Ginger, Sahnesaucen, Tomatosaucen, Zimtschnecken, Pfannkuchen, Pesto und und und. Und seitdem gehts mir und meinem Magen wieder gut!
Eine weitere entscheidene Veraenderung ist sicherlich meine neue Frisur. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich haartechnisch meiner eigenen Mutter fremdgegangen. Dabei vertraute ich in Laura, dessen Mutter ebenfalls Friseurin ist. Diese Gemeinsamkeit, das heisst die langen jahre voller Erfahrung des Hinschauens und Zuguckens, schenkten ihr mein volles Vertrauen. Nach circa 20 Minuten und einem Blick in den Spiegel entpuppte sich dies jedoch als gewisser Fehler. Ich glaube meine Haare waren seit 6 Jahren nicht mehr so kurz und “naturblond” wie momentan. Sie wollte ein bisschen Frische auf meinen Kopf bringen. Scheint ihr auch geglueckt zu sein, denn alle finden es hier super schick und meinen es steht mir ziemlich gut. So langsam habe ich mich auch dran gewoehnt und finde es ganz okay. Angesichts der hohen Temperaturen ist das vielleicht auch besser so. Und es ist ein grosser Integrationsbonus. Es fehlen nur noch paar Zentimeter, dann waeren die Haare so kurz wie bei einem Durchschnittskameruner. Also liebe Mama, ich freue mich auf deinen naechsten Haarschnitt J.
Zum Abschluss die weiteren Neuigkeiten aus Belo. Die Arbeit schreitet voran, insbesondere in den naechsten 2 Wochen, da Schulferien sind. Somit verbringen wir viel Zeit mit dem Besuch von unseren Waisenkindern, Impfungen, der Arbeit am PC um das Sponsorenprogramm voranzubringen sowie eine Website zu gestalten. Bezueglich des Tourismusprojekts habe ich die verschiedenen Unterkunftsmoeglichkeiten in Belo unter die Lupe genommen. Die Regenzeit hat bereits eingesetzt, wird momentan aber durch eine Mini Trockenzeit unterbrochen. Die Leute hier sind selber verwundert, dass es auf einmal wieder trocken und super heiss ist. Naja sicherlich in ein paar Tagen werden wir wohl endgueltig keine trockenen Tage mehr haben – und das bis November. Dann regnet es wieder jeden Tag mindestens fuer 2-3 Stunden. Aber da es dabei immer noch mollig warm ist, kann man sich nicht beschweren.
Auf diesem Wege auch nochmal vielen lieben Dank an die fleissigen Spender! Die beiden Pakete sind inzwischen heile in Belo angekommen und die Kinder werden sich sicherlich ueber die vielen Spiele, Klamotten und andere Materialien freuen! Fotos folgen dann!
Falls ihr es bis hierhin geschafft habt mit dem Lesen, freue ich mich tierisch, dass ihr weiterhin meinen Blog verfolgt. Ich freue mich wie immer ueber Nachrichten und drueck euch alle ganz doll
Foto1: Beim Haare schneiden, Foto2: Nach dem Haare schneiden, Foto3: Na welche deutsche Band ist auch in Kamerun erfolgreich?, Bild4: Unsere Kiddies bei der Tetanus Impfung
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