Dienstag, 15. März 2011

Reisen auf der Ring Road – oder holprig und 3 Tage ohne frisches Wasser

An all diejenigen, die immer noch nicht gelangweilt von meiner Schreiberei sind und wieder auf meinem Blog gelandet sind, ein froehliches Hallo. In dieser Folge erfahrt ihr mehr ueber die “Ring Road” – einer der Hauptattraktionen des Landes.

Wie die meisten von euch sicherlich wissen, bin ich eigentlich hier in Belo um mehr Touristen in die Region zu bringen und insbesondere ein Einkommensprojekt fuer meine Organisation RUDEC zu schaffen. Nur wenn man merkt, dass saemtliche andere Projekte in der Organisation wirklich alles andere als strukturiert sind und gut funktionieren, aendert man seine Prioritaeten doch schnell. Somit liegt mir inzwischen unser Waisenprojekt mehr am Herzen und ich hoffe wirklich in den naechsten 2 Monaten das ganze Projekt einigermassen besser zu strukturieren und auf Vordermann zu bringen. Doch nebenher kuemmer ich mich eben auch um das Tourismusprojekt. Das bedeutet im Moment moeglich viel sehen und dann wenn ich wieder in Deutschland bin mit unserer Super Online-Freiwilligen Natalia an der neuen Tourismuswebsite arbeiten. Die Vorabversionen von ihr sehen auf alle Faelle schonmal super professionnell aus!

Nun aber zurueck zu der Ring Road! Letztes Wochenende bekamen wir zum ersten Mal Besuch von Touristen – Dodo und Gerard aus Holland. Sie reisen momentan durch das ganze Land und wollten unbedingt die Ring Road erkunden. Die Ring Road ist eine 370km lange “Strasse” hier im Nordwesten von Kamerun. Belo befindet sich innerhalb dieses “Rings”. Sie verlaeuft im Kreis und ringsherum sind lauter Berge sowie die Grassland mit traditionellen Koenigreichen, Palaesten, Wasserfaellen, Wanderwegen, geheimnisvollen Kraterseen und und und. Also rein theoretisch Touristenpotenzial Nummer 1! Waere da nicht die schlechte Qualitaet der Strasse. Weite Teile der 370km langen Strasse sind fuer normale PKWs nicht befahrbar – insbesondere in der Regenzeit. Zum Glueck war es die letzten Tage relativ trocken und die Regenzeit laesst noch auf sich warten. Somit machten wir uns an einem Sonntag in unserem 4x4 auf den Weg. Wir das waren Dodo, Gerard, Joshua, 2 Fahrer und ich. Und gleich am Anfang mussten wir dann auch direkt ueber das schlechteste Stueck der Strasse. Strasse kann man das ganze nicht nennen eher Sand-Stein-Weg mit Holzbruecken zwischendurch, die so aussehen als ob sie jeden Moment einkrachen. Somit wurde das ganze ganz schoen holprig und zwischenzeitlich hatte man immer mal wieder das Gefuehl man kommt den Berg nicht rauf, wir bleiben stecken oder das Auto gibt den Geist auf. Ganz schoen aufregend und ganz schoen schmerzend am Ende von jedem Tag fuer den ganzen Koerper. Insbesondere der Kopf (der immer wieder gegen das Fenster knallte) sowie der Hintern freuten sich immer wieder ueber ein bisschen Beine vertreten. Aber ich will mich nicht zu sehr beschweren, denn zum einem war in unserem Privatwagen kein Raum fuer kamerunische Musik, man sass nicht eingequetscht auf der Rueckbank mit mehr als 4 Leuten und die Landschaft ist wirklich atemberaubend! Viele kleine Fluesse, verlorene Doerfer, dichte Waelder, sehr abwechselnde Vegetation, viele bluehende Blumen, Teeplantagen, Termitenhaeuser….

Somit sah unsere Strecke fuer diejenigen die es bei Google Maps nachverfolgen wollen wie folgt aus: Belo-Fundong-Lake Nyos-Nkambe-Ndu-Kumbo-Jakiri-Foumban-Bamendjing-Ndop-Bafut-Bamenda-Belo

Nun also zu den Hauptsehenswuerdigkeiten. Dazu zaehlt defintiv Lake Nyos – ein wunderschoener Kratersee, der jedoch 1986 Ort einer schrecklichen Katastrophe wurde. In diesem Jahr “kippte” der See und das im Wasser gebundenes Kohlenstoffdioxid trat von dem Grund (200 Meter tief) an die Oberflaeche. Dadurch trat es als CO2 Gas aus dem See aus und dies in so einer hohen Konzentration. Der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft war so hoch, dass insgesamt 2000 Menschen in der Umgebung erstickten. Heute ist die kamerunische Regierung in Zusammenarbeit mit der franzoesischen dabei Preventionsmassnahmen zu schaffen um das CO2 aus dem See in geringen Mengen rauszufiltern, damit ein solches unglueck nicht wieder passiert. Nichtsdestotrotz ist es wirklich ein idylischer See, ruhig, weit weg von der Zivilisation und total entspannend. Schwierig sich vorzustellen das sowas wirklich passiert ist.

Der naechste interessante Stop war sicherlich der Fon (Koenigs) Palast in Kumbo. Die Nordwestregion Kamerungs verfuegt immer noch ueber viele Koenigreiche. Diese haben zwar nicht mehr die Macht wie damals, aber die Traditionen und Gebraeuche spielen hier fuer viele Menschen immer noch eine zentrale Rolle. Oft wichtiger als das was die eigentliche kamerunische Regierung macht oder sagt. Die Koenige haben meist hunderte von Frauen und Kindern und leben in wirklich beeindruckenden Palaesten. Damit wir in den Palast reinkamen, mussten wir nur schnell 20 Liter Palmenwein und ein Hahn fuer den Koenig besorgen. Im Palast wurde dann anhand unseres erstandenen Hahns geschaut ob wir denn auch “reine” Menschen sein. Dies war zum Glueck der Fall und so durften wir den Fon treffen. Der war jedoch nicht sooo gespraechig. Bei einer Schuessel Palmwein sassen wir nun also dort und begutachteten danach den Palast – von seinem Thron, den vielen Haeusern seiner Frau, zu dem Partysaal, bis hinzu dem Haus fuer die Waechter des palates.

Danach machten wir uns auf die Reise in Richtung Foumban. Und das mit Abstand auf dem schoensten Abschnitt der ganzen Rundreise entlang von verlassenen Doerfern am Fusse eines Gebirges. Foumban gehoert zur Westregion des Landes und ist somit francophone. Ausserdem mischen sich hier die muslimischen und christlichen Einfluesse des Landes.Hier steht der wohl groesste Koenigspalast des Landes. Vor der Kolonialisierung galt Foumban als das Zentrum des Landes mit wohl dem maechtigsten Koenigreich in dem heutigen Gebiet von Kamerun. Der 16te Sultan dieses Koenigreichs entwickelte beispielsweise seine eigene Sprache und seine eigene Religion. Die Sprache wird noch heute an normalen Schulen in Foumban unterrichtet und aehnelt von der Schreibweise her eher der arabischen Schrift. Direkt vor dem palest und neben dem Hauptmarkt steht die grosse Moschee von Foumban! Wirklich beeindruckend!

Die letzte spannende Station und mit Abstand wohl der interessanteste Ort war der Fon Palast in Bafut. Das Koenigreich von Bafut hat 10 Jahre lang Widerstand gegen die deutschen Truppen geleistet, bevor sie letztendlich aufgeben mussten. Leider haben die Deutschen damals weite Teile des Palastes zerstoert. Doch die Bundesrepublik hat spaeter viele Restaurierungen finanziert sowie den Ausbau eines wirklich interessanten Museums. Eine der zich Koenigin bzw. Frauen des Fon fuehrte uns dann durch das Museum und den Palast. Und das am Internationalen Frauentag! Der wird hier uebrigens riesengross gefeiert und sie hatte auf jeden Fall ein ziemlich starkes Alice Schwarzer Gen in sich. Wie dem auch sei, gluecklicherweise wurde das wichtigste Haus des Palastes waherend des Krieges erhalten. Ein Holzhaus, das heute mit 500 Jahren, laut der Koenigin, das aelteste Haus in ganz Zentralafrika ist. Momentan bin ich noch vorsichtig das wirklich zu glauben, ABER es ist definitiv beeindruckend. Vielleicht eins der beeindruckendsten Gebaeude, die ich hier bisher gesehen habe. Schrecklich jedoch zu sehen was die eigenen Vorfahren alles angerichtet haben. Das einzige Gute was ich aus der Kolonialisierung erkennen konnte war, dass Opferrituale von Jungfrauen (Jungen und Maedchen) sowie Steinigungen durch die Deutschen abgeschafft wurden im Jahre 1914. Das wars dann aber auch. Jedoch sind hier generell die meisten Leute sehr erfreut wenn ich sage dass ich Deutscher bin. Koennte auch daran liegen, dass die Leute hier meinen, dass die Deutschen seit der Unabhaengigkeit Kameruns im Gegensatz zu den Franzosen und Briten wesentlich mehr Hilfsleistungen erbracht haben. So zum Beispiel die sehr gut asphaltierte Strasse von Bamenda nach Belo.

Nach den 3 Tagen lieferten wir Dodo und Gerard dann also wieder in Bamenda ab und machten uns auf den Weg zurueck nach Belo. Nun hat mich der Alltag wieder und ich verbringe doch wieder viel Zeit an Computern um am Waisenprojekt zu arbeiten. Ansonsten ist es weiterhin ziemlich heiss. Teilweise ueber 30 Grad und die Leute warten hier schon voller Sehnsucht auf die Regenzeit, damit sie wieder mehr ernten koennen. Ich bin ehrlich gesagt froher ueber Staub als Schlamm, aber ich freue mich zumindest drauf wenn alles hier gruen wird und nicht mehr vertrocknet und braun ist. Also in diesem Sinne, bis zum naechsten Mal!

Foto1: Lake Nyos, Foto2: Wir stecken fest!, Foto3: Teil der Ring Road - besserer Teil, Foto4:einsame Haeuser im Nirgendwo, Foto5: Royal palace in Foumban, Foto6:Grosse Moschee in Foumban, Foto 6: Fon Palast bafut - aeltestes Gebaeude in Zentralafrika
















































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