Donnerstag, 31. März 2011

“My heart is burning”


So oder so aehnlich drueckte sich der juengste Verehrer ueber meine momentane Mitbewohnerin aus. Nachdem sie in den vergangenen 3 Monaten 3 mal kurz mit ihm gesprochen hatte und er eigentlich nichts ueber sie weiss ausser ihren Namen, verliebte er sich unsterblich in sie (er ist definitiv mindestens so alt wie ich). Dies musste er ihr dann auch direkt beichten. Meine Aufgabe war es nun also dem jungen Charmeur zu verraten, dass Ruth bereits einen Freund hat. Um die Sache ein bisschen kamerunischen Verhaeltnissen anzupassen, erfand ich, dass sie bereits verlobt sind und naechstes Jahr heiraten werden. Der Termin steht auch schon bereits fest – versteht sich. Seitdem fuehre ich in regelmaessigen Abstaenden Maennergespraeche mit ihm ueber Ruth. Ich versuch ihm dabei immer verstaendnissvoll zu verklickern, dass man Liebe und Gefuehle nicht erzwingen kann und sie nun bereits vergeben ist. In Nebensaetzen erwaehne ich dann auch ganz sanft, dass es scheinbar doch gewisse Definitionsunterschiede von “liebe” zwischen Europaern und Kamerunern gibt. Ich bin ehrlich gesagt recht froh darueber, dass die damen in Belo nicht so direkt sind wie die Maenner!


Ansonsten waren die letzten Wochen eher arbeitslastig. Mit meiner 3. Klasse habe ich meinen ersten Test geschrieben. Die Lehrerin hatte mich bereits ueber die schlechten Lese- und Schreibkenntnisse gewarnt und meinte ich sollte doch nur Multiple Choice Fragen stellen. Da ich aber denke, dass man dadurch nicht das Wissen und die Anwendbarkeit des Stoffes testen kann, nahm ich noch 2-3 andere Fragen mit auf. Dies stellte sich als fataler Fehler heraus, da sich in meinem Test bewahrheitete was ich wochenlang befuerchtete. Die Kinder sind super im Abschreiben von der Tafel, aber verstehen tun sie das Geschriebene so gut wie nie. Kein einziges Kind konnte auf franzoesisch schreiben wie es heisst und wie alt ist es. Dabei mussten sie sogar noch nicht mal den ganzen Satz schreiben, sondern nur das fehlende Wort einsetzen. Beim multiple choice waren auch mehr als die haelfte ueberfordert. Dabei dachte ich, dass ich den Test schon so leicht wie moeglich gemacht habe. Naja das Ergebnis war alles andere als erfreulich. Von insgesamt 78 Kindern haben lediglich 8 bestanden. Sprich 10 Punkte oder mehr von 20. Das beste Ergebnis waren 15 Punkte und das schlechteste 0 Punkte, und das dann gleich 9 mal. Ziemlich frustrierend. Aber die Lehrerin nahm es mit Humor und meinte nur zu mir, dass die Kinder halt so sind. Natuerlich tragen die Kinder eine gewisse Mitschuld groesstenteils. Ich meine der Test war angekuendigt und nach der Haelfte des Tests musste ich feststellen, dass einige Kinder nicht schreiben weil sie ihren Kugelschreiber nicht dabei haben. Also anstatt vielleicht Pruegel zu bekommen weil sie den Kuegelschreiber vergessen haben, sitzen sie lieber da, sagen nichts und schreiben den Test nicht. ABER, wie dem auch sei, die Lehrerin zeigte keine Spur von Selbstreflexion. Alle kinder in dieser Klasse haben ein Riesenschreibproblem. Das kommt sicherlich nicht von ungefaehr. Und so lange sie weiterhin Multiple choice tests schreiben, werden sie auch nicht besser in Schreiben und Fragen beantworen. Somit hat mich am Ende nicht das schlechte Ergebnis am meisten schockiert, sondern die Reaktion der Lehrerin. Das Problem ist oft in den Schulen, dass die meisten Lehrer keinerlei Ausbildung haben, sondern einfach als Lehrer arbeiten. Ist immerhin gut bezahlt und ein sicherer Job. Aber oft sind es die Kinder, die darunter leiden. Wobei ich auch gestehen muss, dass es einige wenige engagierte und gute Lehrer hier gibt.


In den letzten 2 Wochen trafen Ruth und ich ebenfalls, nach langem Ueberlegen, die Entscheidung, dass wir nicht mehr bekocht werden wollen, sondern unser eigenes Essen zubereiten wollen. Unsere Haushaelterin sowie Joshua waren nicht wirklich begeistert und das fuehrte in den letzten Tagen und Wochen immer wieder zu Konflikten. Aber nachdem ich zum 2. Mal krank wurde, eine Nacht kotzend auf dem klo vebrachte und im Anschluss 4 tage lang so gut wie nix essen wollte, war das Fass einfach voll. Das klingt vielleicht ignorant und nicht gerade offen fuer “neues”, aber nach 2 ½ Monaten hatte ich das Essen einfach satt. Am Anfang war ich wirklich ueberrascht ueber die Vielfalt des Essens hier. Aber im Endeffekt konnte unsere neue Koechin 4 verschiedene Gerichte und ich kann einfach nicht jeden 2. Tag Reis und Bohnen oder Reis mit Karotte essen. Das klingt wirklich verwoehnt und ihr koennt euer eigenes Urteil faellen, aber ich bevorzuge einfach das zu kochen was ich gerade essen will und worauf ich Lust habe. Und im Endeffekt geht es dabei ja auch um meine Gesundheit. Wie dem auch sei, Ruth und ich rocken also jetzt die Kueche und machen Pizza, Nudelauflauf, Ananas-Chilli-Ginger, Sahnesaucen, Tomatosaucen, Zimtschnecken, Pfannkuchen, Pesto und und und. Und seitdem gehts mir und meinem Magen wieder gut!


Eine weitere entscheidene Veraenderung ist sicherlich meine neue Frisur. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich haartechnisch meiner eigenen Mutter fremdgegangen. Dabei vertraute ich in Laura, dessen Mutter ebenfalls Friseurin ist. Diese Gemeinsamkeit, das heisst die langen jahre voller Erfahrung des Hinschauens und Zuguckens, schenkten ihr mein volles Vertrauen. Nach circa 20 Minuten und einem Blick in den Spiegel entpuppte sich dies jedoch als gewisser Fehler. Ich glaube meine Haare waren seit 6 Jahren nicht mehr so kurz und “naturblond” wie momentan. Sie wollte ein bisschen Frische auf meinen Kopf bringen. Scheint ihr auch geglueckt zu sein, denn alle finden es hier super schick und meinen es steht mir ziemlich gut. So langsam habe ich mich auch dran gewoehnt und finde es ganz okay. Angesichts der hohen Temperaturen ist das vielleicht auch besser so. Und es ist ein grosser Integrationsbonus. Es fehlen nur noch paar Zentimeter, dann waeren die Haare so kurz wie bei einem Durchschnittskameruner. Also liebe Mama, ich freue mich auf deinen naechsten Haarschnitt J.


Zum Abschluss die weiteren Neuigkeiten aus Belo. Die Arbeit schreitet voran, insbesondere in den naechsten 2 Wochen, da Schulferien sind. Somit verbringen wir viel Zeit mit dem Besuch von unseren Waisenkindern, Impfungen, der Arbeit am PC um das Sponsorenprogramm voranzubringen sowie eine Website zu gestalten. Bezueglich des Tourismusprojekts habe ich die verschiedenen Unterkunftsmoeglichkeiten in Belo unter die Lupe genommen. Die Regenzeit hat bereits eingesetzt, wird momentan aber durch eine Mini Trockenzeit unterbrochen. Die Leute hier sind selber verwundert, dass es auf einmal wieder trocken und super heiss ist. Naja sicherlich in ein paar Tagen werden wir wohl endgueltig keine trockenen Tage mehr haben – und das bis November. Dann regnet es wieder jeden Tag mindestens fuer 2-3 Stunden. Aber da es dabei immer noch mollig warm ist, kann man sich nicht beschweren.


Auf diesem Wege auch nochmal vielen lieben Dank an die fleissigen Spender! Die beiden Pakete sind inzwischen heile in Belo angekommen und die Kinder werden sich sicherlich ueber die vielen Spiele, Klamotten und andere Materialien freuen! Fotos folgen dann!


Falls ihr es bis hierhin geschafft habt mit dem Lesen, freue ich mich tierisch, dass ihr weiterhin meinen Blog verfolgt. Ich freue mich wie immer ueber Nachrichten und drueck euch alle ganz doll


Foto1: Beim Haare schneiden, Foto2: Nach dem Haare schneiden, Foto3: Na welche deutsche Band ist auch in Kamerun erfolgreich?, Bild4: Unsere Kiddies bei der Tetanus Impfung










Dienstag, 15. März 2011

Reisen auf der Ring Road – oder holprig und 3 Tage ohne frisches Wasser

An all diejenigen, die immer noch nicht gelangweilt von meiner Schreiberei sind und wieder auf meinem Blog gelandet sind, ein froehliches Hallo. In dieser Folge erfahrt ihr mehr ueber die “Ring Road” – einer der Hauptattraktionen des Landes.

Wie die meisten von euch sicherlich wissen, bin ich eigentlich hier in Belo um mehr Touristen in die Region zu bringen und insbesondere ein Einkommensprojekt fuer meine Organisation RUDEC zu schaffen. Nur wenn man merkt, dass saemtliche andere Projekte in der Organisation wirklich alles andere als strukturiert sind und gut funktionieren, aendert man seine Prioritaeten doch schnell. Somit liegt mir inzwischen unser Waisenprojekt mehr am Herzen und ich hoffe wirklich in den naechsten 2 Monaten das ganze Projekt einigermassen besser zu strukturieren und auf Vordermann zu bringen. Doch nebenher kuemmer ich mich eben auch um das Tourismusprojekt. Das bedeutet im Moment moeglich viel sehen und dann wenn ich wieder in Deutschland bin mit unserer Super Online-Freiwilligen Natalia an der neuen Tourismuswebsite arbeiten. Die Vorabversionen von ihr sehen auf alle Faelle schonmal super professionnell aus!

Nun aber zurueck zu der Ring Road! Letztes Wochenende bekamen wir zum ersten Mal Besuch von Touristen – Dodo und Gerard aus Holland. Sie reisen momentan durch das ganze Land und wollten unbedingt die Ring Road erkunden. Die Ring Road ist eine 370km lange “Strasse” hier im Nordwesten von Kamerun. Belo befindet sich innerhalb dieses “Rings”. Sie verlaeuft im Kreis und ringsherum sind lauter Berge sowie die Grassland mit traditionellen Koenigreichen, Palaesten, Wasserfaellen, Wanderwegen, geheimnisvollen Kraterseen und und und. Also rein theoretisch Touristenpotenzial Nummer 1! Waere da nicht die schlechte Qualitaet der Strasse. Weite Teile der 370km langen Strasse sind fuer normale PKWs nicht befahrbar – insbesondere in der Regenzeit. Zum Glueck war es die letzten Tage relativ trocken und die Regenzeit laesst noch auf sich warten. Somit machten wir uns an einem Sonntag in unserem 4x4 auf den Weg. Wir das waren Dodo, Gerard, Joshua, 2 Fahrer und ich. Und gleich am Anfang mussten wir dann auch direkt ueber das schlechteste Stueck der Strasse. Strasse kann man das ganze nicht nennen eher Sand-Stein-Weg mit Holzbruecken zwischendurch, die so aussehen als ob sie jeden Moment einkrachen. Somit wurde das ganze ganz schoen holprig und zwischenzeitlich hatte man immer mal wieder das Gefuehl man kommt den Berg nicht rauf, wir bleiben stecken oder das Auto gibt den Geist auf. Ganz schoen aufregend und ganz schoen schmerzend am Ende von jedem Tag fuer den ganzen Koerper. Insbesondere der Kopf (der immer wieder gegen das Fenster knallte) sowie der Hintern freuten sich immer wieder ueber ein bisschen Beine vertreten. Aber ich will mich nicht zu sehr beschweren, denn zum einem war in unserem Privatwagen kein Raum fuer kamerunische Musik, man sass nicht eingequetscht auf der Rueckbank mit mehr als 4 Leuten und die Landschaft ist wirklich atemberaubend! Viele kleine Fluesse, verlorene Doerfer, dichte Waelder, sehr abwechselnde Vegetation, viele bluehende Blumen, Teeplantagen, Termitenhaeuser….

Somit sah unsere Strecke fuer diejenigen die es bei Google Maps nachverfolgen wollen wie folgt aus: Belo-Fundong-Lake Nyos-Nkambe-Ndu-Kumbo-Jakiri-Foumban-Bamendjing-Ndop-Bafut-Bamenda-Belo

Nun also zu den Hauptsehenswuerdigkeiten. Dazu zaehlt defintiv Lake Nyos – ein wunderschoener Kratersee, der jedoch 1986 Ort einer schrecklichen Katastrophe wurde. In diesem Jahr “kippte” der See und das im Wasser gebundenes Kohlenstoffdioxid trat von dem Grund (200 Meter tief) an die Oberflaeche. Dadurch trat es als CO2 Gas aus dem See aus und dies in so einer hohen Konzentration. Der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft war so hoch, dass insgesamt 2000 Menschen in der Umgebung erstickten. Heute ist die kamerunische Regierung in Zusammenarbeit mit der franzoesischen dabei Preventionsmassnahmen zu schaffen um das CO2 aus dem See in geringen Mengen rauszufiltern, damit ein solches unglueck nicht wieder passiert. Nichtsdestotrotz ist es wirklich ein idylischer See, ruhig, weit weg von der Zivilisation und total entspannend. Schwierig sich vorzustellen das sowas wirklich passiert ist.

Der naechste interessante Stop war sicherlich der Fon (Koenigs) Palast in Kumbo. Die Nordwestregion Kamerungs verfuegt immer noch ueber viele Koenigreiche. Diese haben zwar nicht mehr die Macht wie damals, aber die Traditionen und Gebraeuche spielen hier fuer viele Menschen immer noch eine zentrale Rolle. Oft wichtiger als das was die eigentliche kamerunische Regierung macht oder sagt. Die Koenige haben meist hunderte von Frauen und Kindern und leben in wirklich beeindruckenden Palaesten. Damit wir in den Palast reinkamen, mussten wir nur schnell 20 Liter Palmenwein und ein Hahn fuer den Koenig besorgen. Im Palast wurde dann anhand unseres erstandenen Hahns geschaut ob wir denn auch “reine” Menschen sein. Dies war zum Glueck der Fall und so durften wir den Fon treffen. Der war jedoch nicht sooo gespraechig. Bei einer Schuessel Palmwein sassen wir nun also dort und begutachteten danach den Palast – von seinem Thron, den vielen Haeusern seiner Frau, zu dem Partysaal, bis hinzu dem Haus fuer die Waechter des palates.

Danach machten wir uns auf die Reise in Richtung Foumban. Und das mit Abstand auf dem schoensten Abschnitt der ganzen Rundreise entlang von verlassenen Doerfern am Fusse eines Gebirges. Foumban gehoert zur Westregion des Landes und ist somit francophone. Ausserdem mischen sich hier die muslimischen und christlichen Einfluesse des Landes.Hier steht der wohl groesste Koenigspalast des Landes. Vor der Kolonialisierung galt Foumban als das Zentrum des Landes mit wohl dem maechtigsten Koenigreich in dem heutigen Gebiet von Kamerun. Der 16te Sultan dieses Koenigreichs entwickelte beispielsweise seine eigene Sprache und seine eigene Religion. Die Sprache wird noch heute an normalen Schulen in Foumban unterrichtet und aehnelt von der Schreibweise her eher der arabischen Schrift. Direkt vor dem palest und neben dem Hauptmarkt steht die grosse Moschee von Foumban! Wirklich beeindruckend!

Die letzte spannende Station und mit Abstand wohl der interessanteste Ort war der Fon Palast in Bafut. Das Koenigreich von Bafut hat 10 Jahre lang Widerstand gegen die deutschen Truppen geleistet, bevor sie letztendlich aufgeben mussten. Leider haben die Deutschen damals weite Teile des Palastes zerstoert. Doch die Bundesrepublik hat spaeter viele Restaurierungen finanziert sowie den Ausbau eines wirklich interessanten Museums. Eine der zich Koenigin bzw. Frauen des Fon fuehrte uns dann durch das Museum und den Palast. Und das am Internationalen Frauentag! Der wird hier uebrigens riesengross gefeiert und sie hatte auf jeden Fall ein ziemlich starkes Alice Schwarzer Gen in sich. Wie dem auch sei, gluecklicherweise wurde das wichtigste Haus des Palastes waherend des Krieges erhalten. Ein Holzhaus, das heute mit 500 Jahren, laut der Koenigin, das aelteste Haus in ganz Zentralafrika ist. Momentan bin ich noch vorsichtig das wirklich zu glauben, ABER es ist definitiv beeindruckend. Vielleicht eins der beeindruckendsten Gebaeude, die ich hier bisher gesehen habe. Schrecklich jedoch zu sehen was die eigenen Vorfahren alles angerichtet haben. Das einzige Gute was ich aus der Kolonialisierung erkennen konnte war, dass Opferrituale von Jungfrauen (Jungen und Maedchen) sowie Steinigungen durch die Deutschen abgeschafft wurden im Jahre 1914. Das wars dann aber auch. Jedoch sind hier generell die meisten Leute sehr erfreut wenn ich sage dass ich Deutscher bin. Koennte auch daran liegen, dass die Leute hier meinen, dass die Deutschen seit der Unabhaengigkeit Kameruns im Gegensatz zu den Franzosen und Briten wesentlich mehr Hilfsleistungen erbracht haben. So zum Beispiel die sehr gut asphaltierte Strasse von Bamenda nach Belo.

Nach den 3 Tagen lieferten wir Dodo und Gerard dann also wieder in Bamenda ab und machten uns auf den Weg zurueck nach Belo. Nun hat mich der Alltag wieder und ich verbringe doch wieder viel Zeit an Computern um am Waisenprojekt zu arbeiten. Ansonsten ist es weiterhin ziemlich heiss. Teilweise ueber 30 Grad und die Leute warten hier schon voller Sehnsucht auf die Regenzeit, damit sie wieder mehr ernten koennen. Ich bin ehrlich gesagt froher ueber Staub als Schlamm, aber ich freue mich zumindest drauf wenn alles hier gruen wird und nicht mehr vertrocknet und braun ist. Also in diesem Sinne, bis zum naechsten Mal!

Foto1: Lake Nyos, Foto2: Wir stecken fest!, Foto3: Teil der Ring Road - besserer Teil, Foto4:einsame Haeuser im Nirgendwo, Foto5: Royal palace in Foumban, Foto6:Grosse Moschee in Foumban, Foto 6: Fon Palast bafut - aeltestes Gebaeude in Zentralafrika
















































Freitag, 4. März 2011

Parasiten, Sandfloehe…Ich brauche Urlaub!


Kurz nachdem ich meinen letzten Blog Bericht ins Netz gestellt habe, wurde ich zum ersten Mal krank in Kamerun. Die meisten von euch wissen was fuer einen empfindlichen Magen ich habe und so war ich selbst verwundert, dass mir das Essen und saemtliche andere Umstaende bislang keine Probleme gemacht haben. Und das bereits fuer 6 Wochen. Doch alles fing damit an, dass mir dauerhaft schlecht war. Ein Gefuehl von Appetitlosigkeit und Uebelkeit zusammen mit totaler Schlappheit. Selbst ein 10 Minuten Spaziergang setzte mich ausser Gefecht. Erst dachte ich, dass es wieder vorbei gehen wird, doch es wurde immer schlimmer und schlimmer. Und als ich dann nach 4 Tagen die komplette Nacht nicht im Bett, sondern im Badezimmer verbracht habe, beschloss ich nun ins Krankenhaus zu fahren um mich durchchecken zu lassen. Dr. Jim aus Amerika, der Arzt dem die Freiwilligen vertrauen, konnte jedoch nicht ausfindig machen um was es sich genau handelt. Ich war schon sehr ueberrascht ueber die gute Qualitaet des Krankenhauses, aber leider sind den Aerzten hier aufgrund der mangelnden Ressourcen auch die Grenzen gesetzt. Doch er ging davon aus, dass ich Parasiten habe. Welche keine Ahnung. Aber er verschrieb mir dann 3 verschiedene Medikamente, darunter auch ein ziemlich starkes Antibiotikum. Mit viel Schlaf (die erste Nacht mit Medikamenten schlief ich von 20 Uhr bis 9 Uhr morgens durch) und Ruhe ging es mir aber schon bald besser. Zum allen Ueberfluss musste ich dann aber auch einen komischen schwarzen Fleck auf meinem kleinen Zeh entdecken. Das geschulte Auge unserer ehemaligen Koechin Victorine diagnostizierte sofort “Jigger” auf deutsch Sandfloehe glaube ich. Damit ist wirklich nicht zu spassen, da es kleine Tierchen sind die sich in den Fuss einnisten und Eier legen. Wenn man also den Jigger nicht entfernt, kann es sein, dass nach mehreren Tagen und Wochen der ganze Fuss von den Jiggern befallen ist. Die Leute hier sind jedoch sehr geschult darin, die Jigger sauber zu entfernen. Nachdem sie die Stelle mit einer Nadel erst frei gescharpt hat, gab es einen tiefen stich und schwupsdiwups war der boese Sandfloh samt seiner kleinen Babies aus meinem Zeh. Bereits vorher wusste ich, dass man seine Fuesse hier moeglichst mehrmals am Tag waschen sollte. Aufgrund des Staubs und des Sands ist die Jiggergefahr naemlich sehr hoch. Nun schrubbe ich also meine Fuesse bis sie weh tun, damit ich bloss nicht wieder so ein kleines Vieh in mir drin habe.

Nach dieser Woche, in der ich wirklich mich manchmal gefragt habe warum ich das alles mache, beschlossen Ruth und ich nun zu verreisen. Wobei der Hauptgrund der Reise die Verlaengerung von Ruths Visum war. Das hiess fuer uns auf nach Yaounde, die Hauptstadt von Kamerun. Dort angekommen genossen wir mal wieder die schoenen Dinge des Lebens wie zum Beispiel: einkaufen in einem richtigen Supermarkt, gutes europaeisches Essen, den Luxus in der Panoramabar des Hilton Hotels einen Cocktail zu uns zu nehmen und und und. Im Gegensatz zu Douala ist Yaounde wesentlich angenehmer als Stadt. Es gibt zwar auch hier nicht wirklich was zu “sehen” im Sinne von Sightseeing, aber von der Atmosphaere her ist es doch wesentlich angenehmer. Auch wenn der viele Verkehr sowie die Leute, die einen zum 100. Mal fragen ob man Euros oder Dollar tauschen will, nerven koennen.

Leider Gottes ist nur die Verlaengerung von Visa in Kamerun ein halber Staatsakt und ohne eine lokale Person, die fuer einen alles regelt ist es gar unmoeglich eine Verlaengerung zu bekommen. Dazu kommt, dass die Kameruner eben auch anstatt von dem Tag der Einreise die Visumszeit von dem Tag der Ausstellung des Visums berechnen. Beispiel: Das 3 Monats Visum von ihr aus England wurde im November in London ausgestellt, sie ist im Januar eingereist. Kameruner gehen nicht von dem Flughafenstempel im Januar aus sondern von dem Datum im November. Dies macht fuer uns keinerlei Sinn, aber man muss eben mit dem System leben und so fruehzeitig sich um ein neues Visum kuemmern. Ob sie jedoch noch einmal 3 Monate bekommt haengt von der Lust und Laune der Leute ab und wahrscheinlich auch wieviel Geld ueber den Tisch wandert. Es ist traurig aber wahr, aber das ist eben doch Afrika. Ich bin auf alle Faelle froh, dass mein Visum fuer die Zeit ausreicht.

Nach all dem Stress dachten wir uns dann, dass wir uns ein bisschen Urlaub verdient haben. Und warum nicht einen kurzen Abstecher zum Atlantik machen, wenn man schon mal in der Naehe ist. Somit machten wir uns fuer 3 Tage auf den Weg nach Kribi! Kribi ist eine kleine Stadt direkt am Atlantik, in unmittelbarer Naehe zur Grenze von Aequatorial Guinea und Gabun. Im Gegensatz zu der Nord-West Region wo wir normalerweise leben, ist die offizielle Sprache in Yaounde und Kribi Franzoesisch. Und im Gegensatz zu Belo, wo die meisten leute kein englisch sprechen koennen, hatten wir das Gefuehl, dass in den francophonen Regionen selbst Kinder bereits fliessend franzoesisch sprechen koennen. Woran das liegt wissen wir nicht, aber ich versuche noch dahinter zu kommen.

Nun aber zurueck zu Kribi, dem wohl schoensten Ort an dem ich bisher in meinem Leben war. Stellt euch einen tropischen Strand mit Fischerbooten, Palmen und klaren Sandstraenden vor, denn dann wisst ihr ungefaehr wie Kribi ist! Somit verbrachten wir die Tage insbesondere mit entspannen am Strand oder auf einer unserer Hotelpoolliegen und abends genossen wir den Luxus von 4 Kaesepizzen, Flammkuchen, Lasagne oder Mousse au chocolat. Nach 2 Monaten Reis und Bohnen oder Fufu Korn war dies wohl der Himmel auf Erden. Ausserdem besuchten wir auch die Wasserfaelle von Limbe. Diese gehoeren mit zu den einzigen wenigen welweit, die direkt in einen Ozean fliessen. Dieser Ort ist wahrscheinlich die perfekte Idylle und unbeschreiblich schoen. Es ist schwierig die Eindruecke in Worte zu fassen und selbst auf den Fotos wird nicht deutlich wie schoen es dort ist. Aber wie gesagt, es war wirklich der schoenste Ort an dem ich bisher war. Nach den 3 tagen waren wir wirklich traurig wieder zu fahren. Aber um den Aufenthalt hier perfekt zu machen, habe ich bereits fuer mich beschlossen wiederzukommen und zwar direkt vor meinem Rueckflug. Zwar nur fuer 1-2 Tage, da Kribi wohl der teuerste ort in Kamerun ist, aber es lohnt sich wirklich!

Dafuer nimmt man selbst die wirklich nervigen und langen Busfahrten auf sich. Zum Abschluss ein paar Anekdoten von den Busfahrten. Reisen in Kamerun ist,…

1) Wenn man 8 Stunden in einem Nachtbus direkt unter den Lautsprechern sitzt, der Busfahrer die nervige kamerunische Reggae Musik so laut dreht dass man das Gefuehl hat man befinde sich gerade in einer Disco und sich kein Mensch drueber beschwert.

2) Wenn der Bus um 21 Uhr los fahren soll, aber man eigentlich erst um 22:30 Uhr los kommt.

3) Wenn die Toiletten in der Busstation so eklig sind, dass man sich das Pinkeln lieber fuer die naechsten 8 Stunden verkneift.

4) Wenn jemand fuer 3 Stunden lang chinesische Cremes, Zahnbuersten die ihre Farbe wechseln, Bonbons und sonstigen Krempel der einen “von allen Krankheiten heilt” (nur einfaches auftragen auf die Haut und alles ist wieder dufte), verkauft und tatsaechlich der halbe Bus dieses Zeug kauft.

5) Wenn in einem Bus mit 30 Plaetzen, 45 Leute Platz finden muessen und man sich somit auf einer Bank fuer eigentlich 4 Leute mit insgesamt 5 Leuten wiederfindet (Kinder auf dem Schoss nicht mitgezaehlt) und sich quasi fuer 4 Stunden nicht bewegen kann.

6) Wenn einem auf dem Weg ein umgekippter Lastwagen im Graben der Strasse begegnet, bereits 200 Leute drum herum stehen und gucken, und der eigene Bus anhaelt, damit alle Insassen aussteigen koennen um sich das Spektakel anzugucken.

7) Und und und…

Und wisst ihr was das schoenste an diesen ganzen Anekdoten ist. Ich habe mir vorgenommen mich nie wieder ueber die deutsche Bahn zu beschweren. Zank you deutsche Bahn thet I can trevel wiz you! You are the best!!!

Nun sind wir also wieder zurueck in Belo und so langsam spueren wir unsere Beine wieder. Ein bisschen braun gebrannt, geht es nun wieder zurueck an die Arbeit und unsere Mitbringsel aus Yaounde wie Soya Sauce, Nutella und Suesse Chilli Sauce werden uns helfen ein bisschen mehr Abwechslung in unseren Essensalltag zu bringen. Schaltet also wieder ein fuer die naechste Episode von “Potpourri und Kurioses aus Kamerun”. Bis dahin freue ich mich ueber saemtliche Nachrichten von euch. Und an dieser Stelle noch einmal ein grosses Dankeschoen an alle die sich an der Spendenaktion in Form von Sachspenden oder Geldspenden beteiligt haben. Ich freue mich schon wie bolle auf das Paket. Euer Sveni!

Foto1: Busfahrt von Kribi nach Yaounde - Spass pur!, Foto2:Unser Hotel in Kribi, Foto3:Strand in Kribi, Foto4: Die Wasserfaelle von Lobe, Foto5:Strand in Lobe, Foto6: Der Leuchtturm von Kribi, Foto7+8: Sonnenuntergang in Kribi, Foto9: Yaounde bei Nacht