Dienstag, 25. Januar 2011

“ Today you gonna learn white man things”

Mit dieser “Ueberschrift” wurde ich in meiner ersten Stunde von der Klassenlehrerin vorgestellt. Wenn Kinder uns Ubangda oder auf englisch white men nennen, kann ich darueber noch schmunzeln. Aber wenn ein Erwachsener dies tut, wirkt das sehr befremdlich. Die Situation war auf jeden Fall sehr komisch. Ich wusste nicht, ob sie wirklich denkt wir wissen so viel mehr als “die” oder ob sie nett sein wollte und nicht daran denkt, dass dies fuer uns komisch sein koennte. Aber in dem Moment blieb keine Ssekunde um darueber nachzudenken, denn so fing gestern meine erste Franzoesisch Stunde an – mit 76 Kindern. Ich unterrichte nun zwei mal in der Woche an einer Grundschule Franzoesisch. Einmal in der 3. Klasse und einmal in der 5. Die Kinder sind wirklich lieb, nur mit dem Franzoesisch klappt es noch nicht so gut. Aber das kann man ihnen bei dem Unterrichtsstil nicht veruebeln. Die Kinder werden hier eher dazu erzogen moeglichst alles so schnell es geht von der Tafel abzuschreiben. Aber ob sie es verstanden haben interessiert die Lehrer so erstmal nicht wirklich. Anhand einfacher Saetze wollte ich sehen wie weit die Kinder sind in Franzoesisch. Einige von ihnen wussten was Comment ca va oder Comment tu t’appelles bedeutet. Aber als ich am Ende versuchen wollte in Partnerarbeit einfache Dialoge zu ueben waren sie komplett ueberfordert. Scheinbar sprechen sie im Unterricht nie franzoesisch und sind an den puren Frontalunterricht gewoehnt. In gewissen Faechern, bei der Anzahl von Schuelern kann man das vielleicht den Lehrern noch nicht einmal komplett veruebeln. Aber jeder der eine Sprache mal gelernt hat weiss wie wichtig es ist, diese auch sprechen zu koennen…Zum Glueck war die Stunde dann zu Ende und ich musste mir nicht schnell eine neue Methode ausdenken, um sie zum Sprechen zu kriegen. Nun habe ich eine Woche Zeit um mir darueber Gedanken zu machen wie ich den Unterricht ein bisschen interaktiver gestalten kann (an meine Lehrerfreunde, Tipps sind erwuenscht ).

Neben den Abenteuer Schule, haben wir nun angefangen unsere Waisenkinder zu besuchen. Wir wollen endlich unser Sponsoren Projekt fuer die Kinder voranabringen. Dadurch holen wir uns die Erlaubnis ein, um Informationen und Bilder von den Kindern auf der Seite von RUDEC zu veroeffentlichen. Ausserdem machen wir auch neue fotos mit den Kindern. Neben den Fotos freuen sich die Leute hier auch darueber eine Unterschrift zu geben. Insbesondere die Grossmuetter oder andere Verwandte kuemmern sich nach dem Tod der Eltern um die Kinder. Da diese Personen meist jedoch nie lesen und schreiben gelernt haben, ist es fuer sie gar unmoeglich eine Unterschrift zu geben. Aber bisher haben sie es alle gemacht (wenn auch nur kleine kringel) und freuen sich tierisch darueber.

Ansonsten starten wir naechste Woche unseren After School Club. Jeden Montag und Mittwoch werden wir den Kindern bei Hausaufgaben und Schulproblemen helfen, sowie danach Spiele anbieten, malen oder Fussball spielen. Da freuen wir uns schon wieder drauf, denn die Arbeit mit den Kindern hier ist wirklich sehr angenehm und sicherlich die, bei der man am meisten Dankbarkeit zurueck bekommt.

Nebenher fallen immer mal wieder auch Aufgaben an wie den Januar Newsletter zu gestalten, den Volunteer Guide weiter zu bearbeiten und fuer mich an dem Tourismusprojekt zu arbeiten. Dies ist jedoch gar nicht mal so einfach. Insbesondere die langsame Internetverbindung macht jeglichen Versuch Kontakt zu Unternehmen in Europa und den USA aufzunehmen zu einem Akt. Insbesondere wenn man nur nach einfachen Informationen suchen will, kann dies mehrere Stunden dauern.

Oh und ich habe noch einen Lehrerjob angenommen. Der Wasserhaendler unseres Vertrauens, der in seiner Butze jeden Tag von morgens bis abends hocken muss, und ein Freund von ihm wollen deutsch lernen. Echt beides super nette Jungs und mir tut er echt leid. Es kommen so gut wie keine Kunden und die einzige Unterhaltungsquelle die e rim Moment hat ist ein Fernseher mit immer den selben TV Programm. Deswegen leiste ich ihn ab und an gerne Gesellschaft und freue mich tierisch darueber dass hier Leute deutsch lernen wollen. Insbesondere aufgrund der Geschichte Kameruns!

Ihr seht also dass ich mich langsam in die Arbeit gestuerzt habe. Da der Bericht bisher sehr arbeitslastig ist, nun auch ein paar andere Infos. Am vergangenen Samstag waren wir auch auf einer Entlassungsparty. Die Schneiderin von Ruth hat ihre Ausbildung abgeschlossen und uns zu der party eingeladen. Wirklich interessant, auch wenn ich nicht viel verstanden habe. Das Englisch von den offiziellen Leuten war so schwer zu verstehen. Aber da auch Ruth als Englaenderin kaum was verstanden hat, war ich doch irgendwie ganz beruhigt. Das problem ist nur, dass man bei diesen Festen um das Essen nicht immer herum kommt. So lange es sich dabei um Reis mit Sauce handelt ist das fuer unsere Maegen auch kein Problem. Aber da man als “special guest” nur das beste bekommen soll, wird einem meist Fleisch oder Fischkopf vor die Nase gesetzt. Wie zum Teufel isst man den bitte Fischkopf. Ist da ueberhaupt was dran? Zum Glueck gaben sie uns nur ein kleines Stueck Fleisch und nach 3 Bissen fing die Zeremonie an.Dadurch war nur leichtes Bauchgrummeln das Ergebnis anstatt wirkliche Magenprobleme. Am selben Abend haben wir als Entschaedigung dafuer das bisher beste Essen bekommen, das wir in Kamerun hatten. Nachdem uns Laura vergangene Woche schon mit chinesischem Essen (mit echter Soya Sauce) beglueckt hat (ebenfalls unter den Top5 der kamerunischen Essenscharts), haben Dee und Simon aus Bamenda ein super leckeres Huhn ergattern koennen. Das war das erste Mal dass ich seit 3 Wochen Fleisch gegessen habe und es wirklich lecker war! Ihr seht die Freiwilligen helfen sich hier gegenseitig um ein bisschen Abwechslung in den Essensalltag zu bekommen. Als naechstes sind irgendwann Ruth und ich dran mit Kochen. Bin schon am ueberlegen was wir machen koennen. Falls ihr Tipps habt, nur her damit. Angesichts der eher begrenzten Ressourcen ist das hier naemlich ein Problem. Am besten irgendwas mit Gemuese – Nudeln duerfen es auch sein. So damit entlasse ich euch mit diesen Hausaufgaben fuer diese Woche. Bis bald, Sven

Foto oben: Bamenda. Die Stadt dankt dem Praesidenten 1000 Mal! Das sagt das Plakat, in franzoesisch, obwohl es englischsprachig ist.

Foto1: mein Zimmer, Foto 2: Unser Badezimmer, die Kueche kommt naechstes Mal, Foto3: Kingsley klettert gerne mal in den Baum und holt sich fruechte, Foto 4: ich beim wandern, im Hintergrund die Wasserfaelle.
















Dienstag, 18. Januar 2011

Waissima!Iseneyemi Sven, Namalogae Germany!

So, da melde ich mich wieder aus Afrika. Ich nutze die Chance und schreibe diesen Bericht schonmal vor. Heute, Montag, den 17.11 geschehen naemlich wahre Wunder. Wir haben sowohl Strom als auch fliessend Wasser. Ich glaube dass hatte ich seitdem ich hier bin erst einen Tag lang. Somit mit schoen geputzten Haenden, Frisch gewaschenen Haaren tippe ich nun bei guter Beleuchtung diesen Bericht.

Mir geht es weiterhin gut hier im beschaulichen aber wunderschoenen Belo. Die letzte Woche nutzte ich vor allem um die Gegend und die Leute besser kennenzulernen. Generell ist das hier kein Problem. Alle sind sehr offen und freundlich. Vor allem die Kinder erfreuen sich jedesmal wenn sie uns sehen und rufen entweder “Hello” oder “Ubangda”. Das Kom Wort fuer Weisse. Kom ist naemlich hier in Belo die eigentliche Sprache der Leute. Die meisten Kinder lernen Englisch und Franzoesisch erst in der Grundschule. Deswegen will ich unbedingt auch ein bisschen Kom lernen, um wenigstens die einfachsten Dinge sagen zu koennen und mich auch mit alten Leuten zu unterhalten. Die sprechen naemlich meist gar kein Englisch. Im Titel des Berichts seht ihr meine ersten Woerter. Kingsley, ein sehr liebenswerter Junge, der sich um unseren Garten kuemmert, hat mir ein paar Woerter beigebracht und lacht gelegentlich ueber meine noch deutlich verbesserbare Aussprache.

Somit habe ich die vergangene Woche also vor allem zum aklimatisieren genutzt. Das heisst neben Sonne tanken, mit Leuten reden, Belo besser kennenlernen eben auch nach Bamenda zu fahren und sich mit wichtigen Dingen eindecken, die man in Belo nicht kriegt. Insbesondere Fruechte kriegt man in der Grossstadt zur Trockenzeit wesentlich besser. Bananen, Papaya, Ananas und noch ein paar Fruechte die es bei uns nicht gibt gehoeren da wohl zu den haeufigsten. Ausserdem konnten wir uns auch einen Internet Stick besorgen und koennen nun Kontakt nach Europa aufnehmen. Zumindest versuchen wir es, den das Internet erinnert mich von der Geschwindigkeit doch stark an die Modem Zeiten Ende der 90. Aber hey es funktioniert. Und am schnellsten ist Facebook. Also falls ihr ein Facebook Account habt, nutzt am besten den um mit mir Kontakt aufzunehmen. Neben unserem Internet Stick haben wir uns auch SIM Karten besorgt, nur leider koennen wir bisher nur Leute anrufen. Wenn man versucht uns anzurufen sagt einem eine nette Stimme auf franzoesisch und englisch, dass wir nicht erreichbar sind. Dafuer haben wir aber die Nummer von dem Mann aus dem Orange Shop bekommen, so dass wir ihn tagtaeglich anrufen wo den das Problem waere. Man wird dann meist vertroestet:Netzwerkprobleme! Somit muessen wir wohl bald scheinbar wieder nach Bamenda, um das Problem persoenlich zu klaeren. Das hat aber auch den Vorteil dass wir uns mit tollen Sachen wieder eindecken koennen wie Marmelade, guter Schokolade und vielleicht sogar Haribo. Ein Traum.

Aber ich muss sagen, dass unsere Koechin Victorine wirklich hervorragende Arbeit leistet. Bisher schmeckt mir hier alles. Gut Nudeln hat sie nicht so drauf, aber dafuer schmeckt alles was sie sonst macht echt super. Und mein Magen findet es auch gut. Von daher ist bei mir gesundheitlich alles tip top. Nur scheinbar werde ich nicht super braun durch meine Malaria Medikamente. Aber das kann man durchaus verkraften.

Ansonsten waren wir mal wieder ein bisschen wandern und haben ein paar Wasserfaelle in der Naehe entdecken koennen. Ich freue mich schon auf die Regenzeit und wie sie dann wohl aussehen werden. Auf dem Markt in Belo haben wir dann auch wieder neuen Fruechte Vorrat bekommen und sogar Brot, das dem deutschen Brot einigermassen nahe kommt. Sonst habe ich bereits 3 meiner mitgebrachten Buecher durchgelesen und muss jetzt erstmal ein Gang runterschalten. Dies bedeutet: Mit dem Arbeiten anfangen!

Was ich bereits in kleinem Masse getan habe. An dem Tourismusprojekt habe ich ein wenig weitergearbeitet und vor mir liegt eigentlich ein grosses Programm an Reisen zu verschiedenen Orten in der Naehe von Belo. Darauf freue ich mich schon. Ich hoffe,dass ich in meiner Zeit hier was auf die Beine stellen kann was nachhaltig Einkommen sichert und somit die Projekte unterstuetzt. Joshua setzt dabei sehr grosse Hoffnungen auf mich. Doch waehrend meiner Zeit hier habe ich schnell gemerkt, dass viele andere Projekte ebenfalls Handlungsbedarf haben. Insbesondere das Waisenprojekt sowie die Betreuung von Kindern nach der Schule. Das wollen Ruth und ich nun angehen und stuertzen uns somit ab morgen in die Arbeit. Wahrscheinlich werde ich ebenfalls Franzoesisch in 1 oder 2 Grundschulen unterrichten, da es vielen Schulen hier an qualifizierten Franzoesischlehrern fehlt. Dadurch das Kamerun jedoch zweisprachig ist und 80 Prozent Franzoesisch sprechen, ist es fuer die Kinder hier in Belo von grosser Bedeutung auch Franzoesisch zu lernen, selbst wenn in dieser Region die offizielle Sprache Englisch ist. Momentan gibt es naemlich keine grosse englischsprachige Universitaet im Land. Und ich freue mich schon total drauf. Die Schulleiterin, die wir heute besucht haben, war total aus dem Haeuschen als ich gesagt habe ich koenne Franzoesisch unterrichten. Sowieso ist es wirklich schoen zu sehen wie froehlich die Leute hier sind und ueber was fuer kleine Dinge sie sich freuen koennen. Dinge, die bei uns selbstverstaendlich sind. Schoen zu sehen wie ein Haufen 8jaehriger sich ueber Buecher lesen freut, wie lange sich Kinder mit einem Fussball beschaeftigen koennen, wie sich Erwachsene freuen wenn man ein Foto schiesst und wie die Leute generell so unbeschwert, trotz der Last die viele tragen muessen, durch Leben gehen. Und vor allem schoen zu sehen, dass wenn man Kindern etwas sagt, sie auch hoeren! Besonders toll wenn wieder mal ein Haufen Kinder unser Haus belagert, durch die Scheiben Hello schreit und man eigentlich nur seine Ruhe haben will. Sie sind zwar alle super lieb und suess, aber manchmal wird es einem dann doch zu viel. Es sind auf jeden Fall viele Kleinigkeiten, bei denen ich mir denke: Warum ist das bei uns nicht so?

Wahrscheinlich habt ihr es schon gemerkt: Mir gefaellt es hier wirklich! Und ich freue mich auf die naechsten Wochen und die Arbeit, die vor mir liegen. Ich hoffe nur, dass das Wasser weiterhin aus dem Hahn kommt. Ansonsten muss ich naemlich immer mit Kingsley zum naechsten Fluss und mit 10Litern Kanistern Wasser holen. Eigentlich nicht schlimm, nur alle Einheimischen finden den Anblick glaube ich super lustig. Leute, die es gewohnt sind so gut wie alles auf dem Kopf zu tragen, kann man das Lachen wohl nicht veruebeln wenn sie sehen wie wir unsere Kanister Wasser tragen und uns dabei einen abrackern. Aber ich bleibe einfach weiterhin freundlich und sage: Waissima! Namalogae Germany! (Guten Nachmittag, Ich komme aus Deutschland)…Das ist quasi meine Entschuldigung, auch wenn sie trotzdem weiter lachen. Also seid gespannt auf den naechsten Bericht aus Belo.

Bild oben: mein Traumhaus in dem ich die naechste Zeit leben werde

Bild 1: Unsere Wandertruppe nach der staubigen Motorradfahrt mit unseren coolen Bikern, Bild 2: Der Berg, der bezwungen wurde, Bild 3: abgebranntes Gras mit ein paar gruenen Resten, Bild 4: RUDEC Verteilen von Sachspenden aus Spanien, Bild 5; Bauzeit in Belo. Waehrend der Trockenzeit werden viele Haeuser gebaut, Bild 6: Wasserfaelle in der Naehe unseres Haus. Circa 1 Stunde wandern.








































Sonntag, 9. Januar 2011

Ich bin angekommen! Meine neue Heimat Belo.

Endlich schaffe ich es und melde mich aus Kamerun bei euch. Ich hoffe ihr habt euch keine grossen Sorgen gemacht, aber es ist schwer hier ins Internet zu kommen. Und wenn man Internet hat, ist die Verbindung sehr langsam.

Nun ist es fast schon eine Woche her, dass ich mich von der schoensten Landeshauptstadt Deutschlands auf den Weg nach Belo gemacht habe. Im Gegensatz zu den letzten Wochen hatte ich Glueck mit meinen Fluegen. In Paris hatte ich knapp 2 Stunden, um umzusteigen. Dort traf ich dann Ruth aus England, die die gesamte Zeit mit mir in Belo bleiben wird. Dann ging es auch schon in den Flieger nach Douala – mit sovielen Fragen, Zweifeln aber auch mit viel Vorfreude auf die naechsten 4 Monate meines Lebens. Wahrscheinlich die aufregendsten und spannendsten bisher.

Als wir nach 7 Stunden Flug in Douala dann aus dem Flugzeug stiegen bliess uns die feuchte warme Luft quasi ins Gesicht und unter die Haut. Ohne irgendetwas zu tun, faengt man direct an zu schwitzen. Eine wirkliche Umstellung von Minusgraden zu 30 Grad. Im Gegensatz zu den Erzaehlungen vieler anderer Leute hatten wir kein Problem ins Land zu kommen und erhielten beide unsere Stempel – ohne dafuer zu bezahlen. Und da wir fast die letzten Passagiere waren, war das grosse Chaos an der Gepaeckausgabe ebenfalls schon vorbei. Nur leider kam Ruths eines Gepaeckstueck nicht mit unserem Flieger, so dass wir anstatt direct am naechsten Tag nach Belo zu reisen, noch eine Nacht laenger in Douala blieben und auf den Air France Flug am naechsten Tag warteten. Am Flughafen trafen wir dann auf Joshua, unseren Organisationsleiter. Wir wurden von ihm wirklich herzlich empfangen. Douala ist genau so wie ich mir afrikanische Grossstaedte vorgestellt habe, stickig, laut, viele Menschen, viel Verkehr, grosse Unterschiede zwischen arm und reich. Wirklich beeindruckend, aber irgendwie fuer die erste Zeit zu anstrengend. Ich war also sehr froh dass Ruth tasche am naechsten Tag mit dem Flieger aus Pairs kam und wir uns am Mittwoch auf dem Weg nach Belo machten. Vor uns lag eine 7 Stunden Busfahrt von dem wohl beeindruckendsten Busbahnhof den ich in meinem Leben gesehen habe. Haette man mir nicht gesagt dass es ein Busbahnhof ist, haette ich es wohl nie gedacht. Auf dem Weg verkauften von der Strasse aus viele Menschen frisches Obst und Wasser an die Leute im Bus. Ausserdem unterhielten uns immer wieder neue Leute im Bus. Zuerst war es eine sehr glaeubige Frau die uns daran erinnerte wie wichtig der Glauben an Gott ist. Der ganze Bus sang Kirchenlieder und sie las aus der Bibel vor. Spaeter wollte jemand dann ein paar seiner Heilprodukte verkaufen – die fanden aber nicht so viel Absatz. Nach 7 Stunden Fahrt kamen wir dann in Bamenda an. Kameruns drittgroesster STadt und Hauptstadt der Nord-West Provinz. Dies ist eine der beiden Provinzen bzw. Regionen, die offiziell englischsprachig ist. Dort nahmen wir dann direct ein Taxi und fuhren nach Belo. Das Wetter war bereits wesentlich angenehmer. Nicht so warm wie in Douala, frische Luft und vor allem nicht so feucht. Dafuer aber sehr trocken und staubig. Als wir in Belo in unserem Haus ankamen war es bereits dunkel und hinter uns lagen 12 Stunden Fahrt insgesamt. Um naemlich ein Ticket zu kaufen waren wir bereits um 6.30 am Busbahnhof in Douala. Der Bus fuhr jedoch erst um 10.15 los, obwohl er um 9 eigentlich losfahren sollte. Busse fahren erst los, wenn alle Plaetze belegt sind, egal wie viel Verspaetung dadurch entsteht.

Zum Abendbrot gab es dann Fisch mit Brot. Und ich muss sagen, dass Essen schmeckt eigentlich immer sehr gut. Nur manchmal sind unsere Maegen einfach nicht dran gewoehnt. Wir waren wirklich ziemlich kaput, installierten nur unsere Moskitonetze und gingen ins Bett. Wir leben fuer die Verhaeltnisse hier in einem echt guten Haus. Manchmal gibt es kein Wasser oder Strom, aber es ist okay. Wir haben eine richtige Toilette mit einer halbwegs funktionierenden Spuelung. Wenn kein Wasser da ist, holen wir welches aus Fluessen oder Brunnen und spuelen damit unser Klo bzw. Waschen uns auch mit dem Wasser aus kleinen Eimern. Wir haben einen kleinen Gaskocher, so dass wir mit einfachsten Dingen ganz leckere Sachen kochen koennen. Es gibt sogar Nudeln zu kaufen.

Am naechsten Tag trafen wir dann unserer Koechin sowie unsere Mitbewohnerin Erin aus den USA. Beide auch super lieb und alles was Victorine kocht schmeckt wirklich lecker. Bisher gab es vor allem sehr viel Gemuese und dazu Reis oder Kartoffeln. Ausserdem hatten wir schon das Traditionsgericht Fufu und JamaJama. Jamajama ist wirklich sehr lecker (aus Huckleberry gemacht, sieht aus wie Spinat), Fufu hingegen schmeckt nach nicht viel und ist eine typische Kornart hier. Die letzten tage verbrachten wir also vor allem damit Belo zu erkunden. Das bedeutet wir wurden der lokalen Polizei vorgestellt, bekamen einen Einblick in die Geschaefte, wo man was kaufen kann, trafen viele locale Leute, die hier alle sehr freundlich sind. Generell ist Belo wirklich toll. Die Landschaft drum herum ist beeidruckend, viele Berge, kleine Fluesse, Palmen, Bananenbaeume usw. Gestern waren wir zum Beispiel 6 Stunden Wandern, so dass ich meine Wanderschuhe einweihen konnte. Im Moment ist alles eben nur sehr trocken, deswegen freue ich mich schon auf die Regenzeit. Angeblich beginnt sie im Maerz und dann wird alles gruen sein und bluehen. Dann wird das meiste sicherlich noch viel schoener sein. Ausserdem haben wir auch andere Freiwillige kennengelernt, die fuer andere Orgnaisationen in der Naehe arbeiten. Insgesamt sind wir 7 Westerner (wie die Kameruner sagen) in Belo. 2 Amerikanerin, 2 Englaender, 2 Deutsche und 1 Belgierin. Deswegen haben wir dann auch gleich die Weggehmoeglichkeiten in belo gezeigt bekommen. Es gibt ein paar kleine Bars wo wir uns meistens auf ein Bier treffen und ein bisschen erzaehlen koennen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Belo nach unseren Massstaeben wirklich eher ein Dorf ist. Generell freuen sich die Leute Weisse zu sehen und wenn man irgendwo hingeht wie zum Beispiel zur Polizei oder in Schulen dann bleibt fuer einen Moment die Welt stehen. Zumindest wirkt es so. Das kann manchmal echt unangenehm sein, weil ich zumindest mit dieser Aufmerksamkeit schwer umgehen kann.

Ein weiteres Abenteuer ist auf alle Faelle Taxi und Motorrad fahren. Im Taxi sitzen mindestens 4 vorne und 4 hinten. Auf einem Motorrad bis zu 4 Leute. Es ist halt alles sehr anders als bei uns, aber man gewoehnt sich doch schnell daran. In Douala dachte ich manchmal noch “Warum mache ich das alles”, aber inzwischen bin ich echt froh hier zu sein. Das Leben zeigt einem oft wie engstirnig und verwoehnt wir in einigen Dingen sind. Die Eimerdusche nach unserer Reise zum Beispiel war die beste Dusche, die ich bisher in meinem Leben hatte. Wenn man 4 Tage lang in den selben Sachen rum laeuft, ist jede Erfrischung einfach nu rein Traum.

Ich koennte jetzt noch stundenlang weitererzaehlen, da ich taeglich so viel erlebe, so neue Eindruecke bekomme, die ganzen Unterschiede vor Augen gefuehrt bekomme und allein so viele Kleinigkeiten mich irgendwie beeindrucken. Wie ihr sicherlich merkt faellt es mir schwer alles in Worte zu fassne. Ich glaube das Beste wird sein euch alles zu erzaehlen, wenn ich wieder komme. Wobei wahrscheinlich das Beste ist, wenn ihr alle diese Erfahrung irgendwie mal macht. Man kann es glaube ich einfach nicht beschreiben. Aber ich hoffe ihr habt jetzt erst mal einen ersten Eindruck in mein Leben in Belo bekommen. Die naechsten Tage werde ich auf alle Faelle auch anfangen zu arbeiten, wobei ich noch herausfinden muss ob ich nur an dem Tourismusprojekt arbeiten will. Ich haette wirklich auch Lust ein bisschen wenigstens zu unterrichten. Vielleicht Franzoesisch. Ich halte euch auf alle Faelle auf dem Laufenden und freue mich ueber jede Nachricht. Bitte habt Verstaendnis dass die Antworten von mir ein bisschen dauern koennen. Ich hoffe dass ich auch bald Fotos hochladen kann. Liebe Gruesse aus dem sonnigen Belo bei circa 28 Grad!

P.S Entschuldigt die schlechte Schreibweise und die Formatierung des Berichts. Hier fehlen mal wieder die oes, aes und ues und ich war zu faul sie zu suchen.

Samstag, 1. Januar 2011

Voyage Voyage! Es geht los.

Nun ist es soweit.
In 39 Stunden startet mein Flieger in Richtung Douala in Kamerun und das nächste Abenteuer beginnt. Wahrscheinlich war ich vor keinem meiner Auslandsaufenthalte so aufgeregt wie vor diesem!

Und eins steht ebenfalls fest, kein Aufenthalt war so geplant und musste so durchorganisiert werden. Dazu gehörte das Beantragen eines Visums bei den wohl nettesten Personen, die ich in meinem Leben bisher getroffen habe. Ein circa 1 1/2 monatiges Dauerabo im Impfen. Sowie Warenkörbe gefüllt mit Insektenschutzmitteln, Lampen, Moskitonetzen, Müsliriegeln und und und.

Der wichtigste Schritt, um letztendlich aber in Kamerun zu überleben, erforderte besonderen Mut. Mut einen Teil der letzten 4 Jahre meines Lebens abzulegen und ohne SIE weiterzumachen. Das Volk forderte:
Die Haare müssen weg!
So fiel der Großteil meiner Kopfbedeckung am 27.12.2010 und wanderte in den Mülleimer. Seitdem zieht es übrigens wieder an meinen Ohren, die ich für die besagten 4 Jahre eigentlich gar nicht mehr wahrgenommen habe. Was für ein komisches Gefühl und was für ein seltsamer Anblick im Spiegel. Optisch bin ich jetzt auf alle Fälle eher wieder Abiturient als fertiger Student. Aber Haare wachsen ja bekanntlich wieder nach.

Damit ihr auch in Zukunft erfahrt was mit meinen Haaren passiert - also ob ich sie wie bei anderen Auslandsaufenthalten auch einfach wieder wachsen lasse oder eventuell doch die Friseurin meines Vertrauens hintergehe und sie schneiden lasse - könnt ihr in diesem Blog verfolgen.

Ich verspreche euch auch, dass ihr dann sicherlich spannendere Dinge zu lesen und sehen bekommt als meine Matte!

Ich freue mich auf alle Fälle auf gespannte Leser und liebe Kommentare.

So bevor ich vor lauter Aufregung doch noch was vergesse, gehe ich nun nochmal meine Packliste durch. Nicht, dass ich noch meine Badehose vergesse mit der ich bei sonnigen 35° in den Atlantik springe werde! (versteckt euren Neid nicht!)

Bis bald und nun erstmal viel Spaß mit dem Begutachten der Vorher-Nachher Fotos!

euer
Sven