Mittwoch, 20. April 2011

Das Wandern ist des Muellers Lust!



Nach tagelangen Stromausfaellen und eigentlich staendigen Problemen mit unserem Internet, schaffe ich es nun mal wieder ein bisschen was aus dem Kamerunkaestchen auszuplaudern. Erst einmal geht es mir gesundheitlich weiterhin einwandfrei gut. Mein Magen macht kaum Zicken, die Malariamuecken lassen mich in Ruhe und auch sonst ist alles tutti frutti!


Nun kehrt hier gegen Ende meines Aufenthalts in Belo auch ein bisschen der Alltag ein. Die meiste Arbeit, die ich vor meiner Abreise erledigen will, hat meistens mit dem Computer zu tun. Somit habe ich die letzten Wochen meistens drinnen am Computer verbracht und meine afrikanische Braeune, die jedoch sowieso nie zur vollen Bluete gekommen ist, verblasst so langsam. Die meiste Zeit verbringe ich im Moment insbesondere mit der neuen Tourismuswebsite. Wie ihr sicherlich alle wisst, bin ich vorwiegend hier um das Tourismusprojekt voranzubringen. Somit arbeite ich daran viele Touren zu erstellen, die Kosten zu kalkulieren, Bilder zusammen zu suchen, Karten zu zeichnen und Informationen zu recherchieren. Zum Glueck essen wir so viel Brot, dass ich ab und an dann auch mal das Haus verlasse und einen Grund habe in 3 Corners (der Einkaufsmeile Belos) neues Brot zu kaufen. Dabei vertrauen wir auf Breadman, ein alter sympathischer Mann, der immer stets erfreut ist uns zu sehen und das beste Brot in ganz Belo backt. Es schmeckt annaehrnd wie Weissbrot zu Hause im Gegensatz zu den normalen gelben Plastikbrot, das hier alle essen. Vor ein paar Tagen war er jedoch fuer wenige Tage verschollen, was fuer grosses Aufsehen und Unruhe bei den ganzen Freiwilligen gesorgt hat. Brot ist fuer die Freiwilligen, so wie fuer Ruth und mich, fester Bestandteil in der taeglichen Ernaehrung – zum Fruehstueck, Mittag, zwischendurch und manchmal kurz bevor es ins Bett geht. Nichtsdestotrotz kann ich jedoch nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich wieder auf gutes deutschen Vollkorn- oder Schwarzbrot freue!!!


Aber nun zurueck zum Thema. Also wie gesagt die Tourismuswebsite ist wohl neben dem Waisenprojekt die groesste Baustelle fuer mich. Bezueglich des Waisenprojekts stecken wir im Moment jedoch ein bisschen fest. Die Organisation ist doch eher unstrukturiert und insbesondere die Finanzen und die Buchhaltung muessten dringend ueberarbeitet und verbessert werden. Da wir nun aber seit bereits knapp 2 Monaten auf einen Kontoauszug von unserem Partner in Deutschland warten, kommen wir eigentlich gar nicht voran.


Nichtsdestotrotz versuchen wir momentan mehr Sponsoren fuer unsere Waisenkinder zu bekommen. Dafuer basteln wir an einer neuen Website wo all unsere Waisenkinder ihr eigenes Profil bekommen sollen und hoffentlich bald jedes durch einen eigenen Sponsor finanziert wird. Mit dem Geld werden vier grundlegende Bereiche abgedeckt: Bildung, Gesundheit, Ernaehrung und Kleidung.


1) Bildung: Obwohl das Bildungssystem in Kamerun alles andere als gut ist, muessen alle Kinder fuer ihre Bildung in Form von Schulgebuehren bezahlen. Hinzu kommen weitere Kosten fuer Schulbuecher, Schuluniform, Rucksaecke und Schreibmaterialien. Alles in allem belaufen sich allein die Kosten fuer ein Kind in der 1. Klasse pro Schuljahr auf umgerechnet 50 Euro bis hin zu rund 150-200 Euro pro Jahr fuer Gymnasien. Wenn man bedenkt dass jede Familie meist 4-6 Kinder hat oder mehr und die meisten Erwachsenen keinen Job haben, dann sind 50 Euro in einem Jahr doch ganz schoen viel Geld.


2) Gesundheit: Jeden Monat wird ein Teil der Spende in einen Gesundheitsfond fliessen, der in Notfaellen genutzt werden kann. Beispielsweise wenn das Kind krank wird, ins Krankenhaus muss oder einen schlimmen Unfall hatte. Weiterhin wird das Geld fuer Impfungen genutzt sowie fuer grundlegende Hygieneprodukte wie Seife, Zahnbuerste und Zahnpasta.


3) Lebensmittel: Die Mehrheit der Bevoelkerung in Belo ernaehrt sich sehr einseitig und leidet an Maengelerscheinungen von wichtigen Naehrstoffen und Vitaminen. Deshalb ist es fuer die Gesundheit und die Entwicklung der Kinder insbesondere wichtig, dass sie eine abwechslungsreichere und reichhaltigere Ernaehrung bekommen. Jede Woche erhaelt ein gesponsortes Kind somit fuer circa 1,50 Euro verschiedenes Gemuese wie Tomaten, Karotte, Gruene Bohnen etc.


4) Kleidung: Zweimal im Jahr erhaelt jedes Kind Kleidung. Diese kann dank dem europaeischen Kleidersammelstellen zu guenstigen Preisen erworben werden. Ja, das was ihr in Deutschland in die Container schmeisst, landet hier bei kleinen Shops und wird hier wieder verkauft. So kann man gute T-Shirts fuer umgerechnet 1 Euro erhalten.


Wie ihr seht, die Idee ist da fuer ein neues besseres Sponsorenprogramm. Aber die Frage ist ob die Zeit hier weiterhin ausreicht um das alles umzusetzen und die Leute hier so zu schulen, dass sie all das auch ohne “fremde” Hilfe hinbekommen. Mir/Uns bleiben noch 3 ½ Wochen. Falls ihr jedoch Interesse daran habt eins unserer Waisenkinder langfristig zu unterstuetzen und diese Dinge fuer ein bestimmtes Kind wahrzumachen, koennt ihr euch gerne jederzeit bei mir melden und ich schicke ich euch mehr Informationen. Nun verschone ich euch mit weiteren Anekdoten von meiner Arbeit und komme zu unseren Wandertouren.


In gewisser Weise hat dies auch mit der Arbeit zu tun, da ich fuer das Tourismusprojekt ja auch selber ein bisschen reisen muss! Somit haben wir die letzten beiden Wochenenden genutzt und sind ein bisschen gewandert. Das erste Ziel war Lake Oku. Ein Kratersee, circa 5 Stunden zu Fuss entfernt von Belo. Auf dem Hinweg haben wir zum Gleuck einen unserer Lieblingsmotorradfahrer auftreiben koennen, der uns innerhalb von sage und schreibe 50 Minuten zu der Kreuzung in Richtung See gebracht hat. Dies war in dem Sinne eine gute Entscheidung, da der Weg eigentlich nur steil bergauf ging. Von der Kreuzung wanderten wir dann fuer 2 Stunden durch einen dichten geschuetzten Wald bis wir an dem See ankamen. Leider war es an diesem Tag relative bewoelkt und ziemlich kalt. Ansonsten waer ein Sprung ins kuehle Nass ein Traum gewesen. Somit reichte der Mut nur bis zu den Knien! Nach 2 Stunden machten wir uns dann wieder auf den Heimweg und dismal komplett zu Fuss fuer 4 Stunden. Man glaubt ja immer dass bergauf wesentlich anstrengender ist, doch nach den 4 Stunden stellten wir eindeutig fest, sowie an den naechsten darauffolgenden Tagen, wie schmerzhaft bergab wandern sein kann. Um diesen Fehler nicht zu wiederholen, entschieden wir uns am naechsten Wochenende dismal nicht zurueck sondern zu unserem Ziel zu wandern. Das hiess dismal 4 Stunden meist bergauf zu Westafrikas groesster Tee Plantage in Ndawara. Ueber 5000 Hektar Tee umgeben ein kleines Dorf, das eigentlich nur fuer die Hunderte von Arbeitern auf den Teefeldern existiert. Dort befindet sich auch die Teefabrik sowie der Palast des Gruenders der Teewelt Kameruns. Auf seinem Grundstueck zuechtet er dann auch Straeusse, Pfaus sowie Wildgaense die man begutachten konnte. Unter den Tieren, sind 2 wirklich viel zu lange Pythons wohl seine Schmuckstuecke. Auf jeden Fall kein Tier, dem ich hier in Belo gerne begegnen moechte. Nachdem wir uns von dem Anblick der Schlangen bei einem leckeren Brot erholt hatten, beschlossen wir doch auch zurueck zu wandern. Nach circa 1/3 des Weges kam gluecklicherweise ein Motorrad vorbei, das uns dann doch mit zurueck nach Belo nahm. Beide Ausfluege waren wirklich toll. Rund um den See war es so verlassen und ruhig, dass die Stille wirklich gut getan hat. Es ist wirklich schwer einen ruhigen Ort in diesem Land zu finden. Im Gegensatz dazu waren rundum die Tee Plantage die Leute, vor allem Fulanis (ein Clan der ueberwiegend in de Bergen wohnt), super freundlich und hilfsbereit. Ohne die Hilfe eines bestimmten Jungen, haetten wir das Tee Dorf wohl nie erreicht. Und auch wenn es manchmal Tage gibt wo ich die Schnauze voll habe, so gibt es eben auch solche Tage wo ich genau weiss warum ich hier bin und was fuer eine tolle Erfahrung es ist.


So ich will euch nicht laenger aufhalten bei dem was ihr auch so macht. Zum Abschluss nur noch ein paar Anekdoten und News:


1) Ruth und ich werden immer besser in Kuchenbacken! Unsere neuste Kreation Schokobananenkuchen. Fuer Ostern gibt es dann den guten Cornflakeskuchen!


2) Obwohl es hier doch recht warm ist tragen viele Motorradfahrer Wollmuetzen. Glaubt es mir oder nicht, aber auf dem Heimweg von der Schule, habe ich doch glatt eine 96 Muetze auf dem Kopf eines Motorradfahrers entdeckt. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, aber ich hoffe ihn bald wieder zu sehen und dann wird ein foto gemacht. Alte Liebe!


3) Eins unserer Schweine hat vergangene Woche 8 gesunde Ferkel zur Welt gebracht. Insbesondere ein kleines braunes Schweinchen namens Babe hat es mir angetan. Super suess!


4) Mein Kleidungsstil wird afrikanischer. Nach langem Suchen habe ich die Schneiderin meines Vertrauens gefunden und muss nun aufpassen dass ich nicht zu viele Klamotten machen lasse. Bisher sind es 2 Hosen und eine Tasche. Naechstes Projekt: Kapuzenpulli!


5) Einige von euch wissen es vielleicht schon, doch nun moechte ich es offiziell machen. Nach langem Ueberlegen habe ich mich dazu entschieden etwas laenger in Kamerun zu bleiben. Ab Mitte Mai werde ich fuer weitere 6 Wochen fuer atmosfair in Buea arbeiten. Buea ist circa 6 Stunden von Bamenda entfernt und Startpunkt fuer jede Besteigung des Mount Kamerun. Ausserdem ist der Atlantik nur 45 Minuten entfernt. Bei atmosfair habe ich vergangenes Jahr Praktikum gemacht und helfe nun mit dem Start eines neuen Klimaschutzprojekts in Kamerun. Somit werde ich doch erst Ende Juni wieder in Deutschland ankommen und werde mich noch mehr auf das Wiedersehen mit euch allen freuen!


Somit freue ich mich nun umso mehr ueber Nachrichten von euch, bis bald!

Bild 1: Die wunderschoenen"baby"schlangen
Bild 2: Junge traegt Holz auf dem kopf. Und das fuer mehrere kilometer
Bild 3: Unsere Ferkelfamilie mit der Mama
Bild 4: Blick auf die Aboh Hills
Bild 5 und 6: Lake Oku
Bild oben: Die Tee Plantagen




























































Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen