Kurz nachdem ich meinen letzten Blog Bericht ins Netz gestellt habe, wurde ich zum ersten Mal krank in Kamerun. Die meisten von euch wissen was fuer einen empfindlichen Magen ich habe und so war ich selbst verwundert, dass mir das Essen und saemtliche andere Umstaende bislang keine Probleme gemacht haben. Und das bereits fuer 6 Wochen. Doch alles fing damit an, dass mir dauerhaft schlecht war. Ein Gefuehl von Appetitlosigkeit und Uebelkeit zusammen mit totaler Schlappheit. Selbst ein 10 Minuten Spaziergang setzte mich ausser Gefecht. Erst dachte ich, dass es wieder vorbei gehen wird, doch es wurde immer schlimmer und schlimmer. Und als ich dann nach 4 Tagen die komplette Nacht nicht im Bett, sondern im Badezimmer verbracht habe, beschloss ich nun ins Krankenhaus zu fahren um mich durchchecken zu lassen. Dr. Jim aus Amerika, der Arzt dem die Freiwilligen vertrauen, konnte jedoch nicht ausfindig machen um was es sich genau handelt. Ich war schon sehr ueberrascht ueber die gute Qualitaet des Krankenhauses, aber leider sind den Aerzten hier aufgrund der mangelnden Ressourcen auch die Grenzen gesetzt. Doch er ging davon aus, dass ich Parasiten habe. Welche keine Ahnung. Aber er verschrieb mir dann 3 verschiedene Medikamente, darunter auch ein ziemlich starkes Antibiotikum. Mit viel Schlaf (die erste Nacht mit Medikamenten schlief ich von 20 Uhr bis 9 Uhr morgens durch) und Ruhe ging es mir aber schon bald besser. Zum allen Ueberfluss musste ich dann aber auch einen komischen schwarzen Fleck auf meinem kleinen Zeh entdecken. Das geschulte Auge unserer ehemaligen Koechin Victorine diagnostizierte sofort “Jigger” auf deutsch Sandfloehe glaube ich. Damit ist wirklich nicht zu spassen, da es kleine Tierchen sind die sich in den Fuss einnisten und Eier legen. Wenn man also den Jigger nicht entfernt, kann es sein, dass nach mehreren Tagen und Wochen der ganze Fuss von den Jiggern befallen ist. Die Leute hier sind jedoch sehr geschult darin, die Jigger sauber zu entfernen. Nachdem sie die Stelle mit einer Nadel erst frei gescharpt hat, gab es einen tiefen stich und schwupsdiwups war der boese Sandfloh samt seiner kleinen Babies aus meinem Zeh. Bereits vorher wusste ich, dass man seine Fuesse hier moeglichst mehrmals am Tag waschen sollte. Aufgrund des Staubs und des Sands ist die Jiggergefahr naemlich sehr hoch. Nun schrubbe ich also meine Fuesse bis sie weh tun, damit ich bloss nicht wieder so ein kleines Vieh in mir drin habe.
Nach dieser Woche, in der ich wirklich mich manchmal gefragt habe warum ich das alles mache, beschlossen Ruth und ich nun zu verreisen. Wobei der Hauptgrund der Reise die Verlaengerung von Ruths Visum war. Das hiess fuer uns auf nach Yaounde, die Hauptstadt von Kamerun. Dort angekommen genossen wir mal wieder die schoenen Dinge des Lebens wie zum Beispiel: einkaufen in einem richtigen Supermarkt, gutes europaeisches Essen, den Luxus in der Panoramabar des Hilton Hotels einen Cocktail zu uns zu nehmen und und und. Im Gegensatz zu Douala ist Yaounde wesentlich angenehmer als Stadt. Es gibt zwar auch hier nicht wirklich was zu “sehen” im Sinne von Sightseeing, aber von der Atmosphaere her ist es doch wesentlich angenehmer. Auch wenn der viele Verkehr sowie die Leute, die einen zum 100. Mal fragen ob man Euros oder Dollar tauschen will, nerven koennen.
Leider Gottes ist nur die Verlaengerung von Visa in Kamerun ein halber Staatsakt und ohne eine lokale Person, die fuer einen alles regelt ist es gar unmoeglich eine Verlaengerung zu bekommen. Dazu kommt, dass die Kameruner eben auch anstatt von dem Tag der Einreise die Visumszeit von dem Tag der Ausstellung des Visums berechnen. Beispiel: Das 3 Monats Visum von ihr aus England wurde im November in London ausgestellt, sie ist im Januar eingereist. Kameruner gehen nicht von dem Flughafenstempel im Januar aus sondern von dem Datum im November. Dies macht fuer uns keinerlei Sinn, aber man muss eben mit dem System leben und so fruehzeitig sich um ein neues Visum kuemmern. Ob sie jedoch noch einmal 3 Monate bekommt haengt von der Lust und Laune der Leute ab und wahrscheinlich auch wieviel Geld ueber den Tisch wandert. Es ist traurig aber wahr, aber das ist eben doch Afrika. Ich bin auf alle Faelle froh, dass mein Visum fuer die Zeit ausreicht.
Nach all dem Stress dachten wir uns dann, dass wir uns ein bisschen Urlaub verdient haben. Und warum nicht einen kurzen Abstecher zum Atlantik machen, wenn man schon mal in der Naehe ist. Somit machten wir uns fuer 3 Tage auf den Weg nach Kribi! Kribi ist eine kleine Stadt direkt am Atlantik, in unmittelbarer Naehe zur Grenze von Aequatorial Guinea und Gabun. Im Gegensatz zu der Nord-West Region wo wir normalerweise leben, ist die offizielle Sprache in Yaounde und Kribi Franzoesisch. Und im Gegensatz zu Belo, wo die meisten leute kein englisch sprechen koennen, hatten wir das Gefuehl, dass in den francophonen Regionen selbst Kinder bereits fliessend franzoesisch sprechen koennen. Woran das liegt wissen wir nicht, aber ich versuche noch dahinter zu kommen.
Nun aber zurueck zu Kribi, dem wohl schoensten Ort an dem ich bisher in meinem Leben war. Stellt euch einen tropischen Strand mit Fischerbooten, Palmen und klaren Sandstraenden vor, denn dann wisst ihr ungefaehr wie Kribi ist! Somit verbrachten wir die Tage insbesondere mit entspannen am Strand oder auf einer unserer Hotelpoolliegen und abends genossen wir den Luxus von 4 Kaesepizzen, Flammkuchen, Lasagne oder Mousse au chocolat. Nach 2 Monaten Reis und Bohnen oder Fufu Korn war dies wohl der Himmel auf Erden. Ausserdem besuchten wir auch die Wasserfaelle von Limbe. Diese gehoeren mit zu den einzigen wenigen welweit, die direkt in einen Ozean fliessen. Dieser Ort ist wahrscheinlich die perfekte Idylle und unbeschreiblich schoen. Es ist schwierig die Eindruecke in Worte zu fassen und selbst auf den Fotos wird nicht deutlich wie schoen es dort ist. Aber wie gesagt, es war wirklich der schoenste Ort an dem ich bisher war. Nach den 3 tagen waren wir wirklich traurig wieder zu fahren. Aber um den Aufenthalt hier perfekt zu machen, habe ich bereits fuer mich beschlossen wiederzukommen und zwar direkt vor meinem Rueckflug. Zwar nur fuer 1-2 Tage, da Kribi wohl der teuerste ort in Kamerun ist, aber es lohnt sich wirklich!
Dafuer nimmt man selbst die wirklich nervigen und langen Busfahrten auf sich. Zum Abschluss ein paar Anekdoten von den Busfahrten. Reisen in Kamerun ist,…
1) Wenn man 8 Stunden in einem Nachtbus direkt unter den Lautsprechern sitzt, der Busfahrer die nervige kamerunische Reggae Musik so laut dreht dass man das Gefuehl hat man befinde sich gerade in einer Disco und sich kein Mensch drueber beschwert.
2) Wenn der Bus um 21 Uhr los fahren soll, aber man eigentlich erst um 22:30 Uhr los kommt.
3) Wenn die Toiletten in der Busstation so eklig sind, dass man sich das Pinkeln lieber fuer die naechsten 8 Stunden verkneift.
4) Wenn jemand fuer 3 Stunden lang chinesische Cremes, Zahnbuersten die ihre Farbe wechseln, Bonbons und sonstigen Krempel der einen “von allen Krankheiten heilt” (nur einfaches auftragen auf die Haut und alles ist wieder dufte), verkauft und tatsaechlich der halbe Bus dieses Zeug kauft.
5) Wenn in einem Bus mit 30 Plaetzen, 45 Leute Platz finden muessen und man sich somit auf einer Bank fuer eigentlich 4 Leute mit insgesamt 5 Leuten wiederfindet (Kinder auf dem Schoss nicht mitgezaehlt) und sich quasi fuer 4 Stunden nicht bewegen kann.
6) Wenn einem auf dem Weg ein umgekippter Lastwagen im Graben der Strasse begegnet, bereits 200 Leute drum herum stehen und gucken, und der eigene Bus anhaelt, damit alle Insassen aussteigen koennen um sich das Spektakel anzugucken.
7) Und und und…
Und wisst ihr was das schoenste an diesen ganzen Anekdoten ist. Ich habe mir vorgenommen mich nie wieder ueber die deutsche Bahn zu beschweren. Zank you deutsche Bahn thet I can trevel wiz you! You are the best!!!
Nun sind wir also wieder zurueck in Belo und so langsam spueren wir unsere Beine wieder. Ein bisschen braun gebrannt, geht es nun wieder zurueck an die Arbeit und unsere Mitbringsel aus Yaounde wie Soya Sauce, Nutella und Suesse Chilli Sauce werden uns helfen ein bisschen mehr Abwechslung in unseren Essensalltag zu bringen. Schaltet also wieder ein fuer die naechste Episode von “Potpourri und Kurioses aus Kamerun”. Bis dahin freue ich mich ueber saemtliche Nachrichten von euch. Und an dieser Stelle noch einmal ein grosses Dankeschoen an alle die sich an der Spendenaktion in Form von Sachspenden oder Geldspenden beteiligt haben. Ich freue mich schon wie bolle auf das Paket. Euer Sveni!
Foto1: Busfahrt von Kribi nach Yaounde - Spass pur!, Foto2:Unser Hotel in Kribi, Foto3:Strand in Kribi, Foto4: Die Wasserfaelle von Lobe, Foto5:Strand in Lobe, Foto6: Der Leuchtturm von Kribi, Foto7+8: Sonnenuntergang in Kribi, Foto9: Yaounde bei Nacht
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen