Nach gut 4 ½ Monaten hiess es Abschied nehmen von Belo. Auch wenn ich oft frustriert war und mich gefragt habe welchen Einfluss ich vor Ort habe und ob mein Aufenthalt irgendetwas bringt, so musste ich in der letzten Woche dort feststellen wie schwierig es ist Auf Wiedersehen zu sagen. Einige Leute sind mit in der Zeit doch sehr ans Herz gewachsen und ich werde sie doch sehr vermissen. Die letzten Tage habe ich dann also versucht die Verabschiedungen und die restliche Arbeit unter einen Hut zu bringen und mich nicht zu sehr zu stressen. Naja der Stress war doch irgendwie vorprogrammiert: letzte dokumente fertig schreiben, ausdrucken, abheften, mit Joshua durchquatschen und und und. Am Ende habe ich sogar als Dankeschoen noch einen Kuchen auf die schnelle fuer Joshua und die ganze Familie gezaubert, was ich jedoch schnell bereute. Die Abschiedsworte von ihm waren nicht wirklich herzlich und Ruth und ich fragten uns doch inwiefern er ueberhaupt dankbar ist fuer das was wir gemacht haben. Es ist zwar so dass ich nicht 100 mal fuer meine freiwillige Arbeit ein Danke hoeren will, aber wenn man das Gefuehl hat jemand ist ueberhaupt nicht dankbar und schaetzt das ganze nicht wert, dann kann das eben doch sehr frustrierend sein. Somit gab es fuer uns einen einfachen Haendedruck und fuer die Familie noch einen Schokobananenkuchen oben drauf.
Aber dafuer war der Abschied von anderen Leuten umso trauriger;, insbesondere von unseren Lieblingskindern Amstrong und Kingsly. Amstrong ist 15 und geht im Moment in die 7 Klasse. Eigentlich kam er so gut wie jeden Abend bei uns vorbei und es war echt immer schoen mit ihm zu reden zu diskutieren. Sein Englisch ist wirklich gut und er ist der 2. Beste in seiner Klasse (wohl bemerkt von 110 Schuelern). Er hat auf jeden Fall ein grosses Potenzial, nur leider ist seine Mutter bereits verstorben und sein Vater hat ihn verlassen. Somit bestreitet er mit seinen 15 jahren seinen Lebensalltag allein so gut er kann. Dabei wollten wir ihn auch ein bisschen unterstuetzen und haben die Schulgebuehren fuer das kommende Jahr bezahlt. Ausserdem habe ich ihn die Haelfte meines Kleiderschranks vermacht, so dass er nicht immer die selben Klamotten tragen muss. Kingsly ist ebenfalls ein permanenter Gast in unserem Haus gewesen und hat sich ruehrend um unseren Garten gekuemmert und uns mit seinen Anekdoten immer unterhalten. Zum Abschied hat er sogar sein hart erarbeitetes Geld in ein Abschiedsgeschenk fuer mich investiert. An Markttagen traegt er die Kiloschweren Saecke fuer Leute und das den ganzen Tag lang. Wenn er viel arbeitet verdient er an einem Tag um die 2 Euro dafuer. Und fuer 1,50 hat er mir dann eine traditionelle Tasche gekauft und diese handbemalt. Das hat mich wirklich sehr geruehrt und gefreut.
Bei meinen Schuelern hatte ich hingegen erst das Gefuehl denen waere es vollkommen egal dass ich nun gehen. Meine 3. Klasse hatte in meiner letzten offiziellen Stunde kein Zeichen von Traurigkeit gezeigt. Dabei hatte ich doch so viele schoene selbstgemalte Bilder erwartet haha. Aber als ich dann am Freitag nochmal vorbei kam um Tschuess zu sagen und die Tests wiederzugeben, hielt Samuel (der klassen beste) eine kleine Rede und 80 Kinder sagen ein selbst komponiertes Lied fuer mich. Das hat mich doch fast zum Weinen gebracht und auch wenn ich manchmal gerade in der Klasse wirklich frustriert war, hat es mir gezeigt wie sehr mir der Unterricht Spass gemacht hat und die Kinder mir fehlen werden.
Nach dem auch sehr traurigen Abschied von unseren Freiwilligenkollegen und unserer feuchtfroehlichen Abschiedsfeier (mit dem guten Wein aus dem Pappkarton), machten Ruth und ich uns nun also am 14. Mai auf den Weg nach Buea.
Nach einer wirklich ziemlich langen und anstrengenden Fahrt, die um 5 Uhr morgens begann, kamen wir gegen 18 Uhr dann in Buea an. Schon von weitem konnte man den Mount Cameroon sehen, der mit 4095 Metern der hoechste Berg Westafrikas und in der gesamten Region ist. Buea liegt direkt am Fusse des Berges und hat deswegen ein recht angenehmes Klima. Insbesondere dort wo ich wohne und arbeite ist es meist ziemlich angenehm kuehl und nicht zu feucht. Mein neues Viertel heisst also Buea Town und liegt etwas ueberhalb der Innenstadt und ist ausserdem wesentlich ruhiger und angenehmer. Untergekommen bin ich bei einer Gastfamilie wo bereits Lea, eine andere Deutsche, wohnt. Die Gastfamilie ist wirklich super nett und kuemmert sich ruehrend um einen. Manchmal dann doch etwas zu viel und insbesondere die Gastmutter Catherine ist dann doch sehr bemutternd. So beobachtet sie meist genau wieviele Kartoffeln ich nun esse und ob ich nicht lieber noch eine essen soll, da ich einfach nicht genug esse... Naja ich koennte das nun hier fortfuehren, aber ehrlich gesagt find ich das ganze auch recht putzig. Sie ist halt besorgt. Insbesondere die beiden Enkelkinder Grace und Michael sind ziemlich aktiv und wild. So ist mein Zimmer meist nicht mehr sicher und es wird getobt, gerannt und gespielt. Der perfekte Ausgleich nach einem Tag im Buero.
Die Arbeit macht auch wirklich spass und mein Kollege Jean-Claude ist wirklich super nett. Wir hatten die letzten beiden Wocheen doch jede Menge zu tun und haben uns ueberwiegend um die Vorbereitung des Stakeholder Meetings fuer das Projekt gekuemmert. Dabei geht es um die Verwendung von effizienten Brennholzkochern, die die lokaleBevoelkerung in Zukunft benutzen bzw. erwerben sollen. Diese sparen deutlich mehr Holz als traditionelle Kocher bzw. Dreisteine Feuer ein. Das schuetzt wiederum die Waelder, da Abholzung in Kamerun ein grosses Problem ist, aber auch die Gesundheit der Leute sowie ihre finanziellen Ausgaben fuer Brennholz. Wer mehr Informationen zu aehnlichen Projekten haben moechte, kann mal einen Blick auf die Homepage von atmosfair werfen!
Neben der Arbeit verbrachte ich dann das erste Wochenende nochmal zusammen mit Ruth und zwar in Limbe. Neben Kribi der Hauptbadeort Kameruns und circa 1 Stunde von Buea entfernt. Dort haben wir dann den Zoo besucht indem vor allem Affen gehalten werden die von Jaegern gerettet wurden. Das Jagen von Affen, darunter auch bedrohte Arten, ist hier immer noch ein grosses Problem. Das Fleisch wird als Delikatesse angesehen und es gibt auch viele Leute, die Affen gerne als Haustiere halten. Der Zoo nimmt dann saemtliche dieser illegal gehaltenen bzw. fuer Essensfleisch gefangene Affen auf. Danach haben wir dann den Tag insbesondere an den verschiedenen Straenden von Limbe genossen. Aufgrund des Mount Cameroons, der immer noch ein aktiver Vulkan ist, sind die Straende von Limbe im Gegensatz zu Kribi schwarz. Leider war es nicht so sonnig, da nun langsam doch die Regenzeit Einzug erhaelt und so viel war es dann doch nicht mit Sonne tanken. Aber den Sprung ins kuehle Nass konnte ich mir dann doch nicht verkneifen.
Nach dem Wochenende hiess es dann auch Abschied nehmen von Ruth, die wieder nach England zurueck geflogen ist. Der Abschied war wohl mit der schwerste, denn wenn man 5 Monate zusammen wohnt, sich rund um die Uhr sieht, so gut versteht und durch dick und duenn geht in manch schwierigen Zeiten, dann faellt einem das nun wirklich nicht leicht. Zumal mein Magen auch mal wieder gestreikt hat zu der Zeit und mich das ganze dann insgesamt eine Woche plagte. Aber ich hoffe Ruth und die anderen Freiwilligen bald bei einem Treffen in England wiederzusehen!
Vergangenes Wochenende habe ich dann doch noch die Initiative ergriffen und den Mount Cameroon bestiegen. Quasi eins der touristischen Highlights von Kamerun. Ich habe schon die ganze Zeit gehen wollen, nur wollte ich erstmal mit dem Projekt vorankommen und die Organisation des Meetings so gut es geht abschliessen. Aber aufgrund der immer staerkere werdenden Regenzeit wollte ich das ganze dann auch so schnell es geht machen. Denn auf 3 tage wandern bei Regen hatte ich dann doch keine Lust. Zusammen mit Lukas aus der Schweiz sowie unserem Guide Henri und den beiden Portern William und Solomon ging es dann am Freitag morgen los. Waehrend ich nur mein kleinen Rucksack von circa 8 Kilo den Berg rauf schleppen musste, trugen die beiden Porter saemtliches Equipment. Sprich Zelt, Toepfe; Schlafsaecke; Essen usw. Insgesamt traegt jeder porter um die 30 kilo. Eine stolze Summe wenn man sich ueberlegt dass der Berg 4095 Meter hoch ist. Bis auf einem kleinen Regenschauer am ersten Tag hatten wir dann aber auch wirkliches Glueck mit dem Wetter. Blauer Himmel und Sonnenschein begleiteten uns auf den meisten Teilen des Weges durch verschiedene Landschafts- und Vegetationszonen. Von Regenwald, bis zur Savanna sowie Vulkankratern und meter breiten Lavafluessen. Einfach ein Traum! Am ersten Tag ging es also circa 7 Stunden bergauf bis zur 2. Huette. Von dort hatte man einen wunderbaren Ausblick auf Buea, Limbe sowie nachts sogar auf Douala. Diesen Ausblick genoss ich dann auch als die Sonne langsam unterging und es um uns herum ruhig war und man nur Vogelgezwitscher hoeren konnte. Das war mit Abstand einer der schoensten Momente in Kamerun , den ich noch haette stundenlang geniessen koennen.
Nach einer nicht allzu bequemen Nacht ging es dann von 2800Metern hoehe in Richtung Gipfel. Zunaechst sah es stark nach Regen aus und es war so nebelig, dass wir eng zusammen bleiben mussten um nicht vom Weg abzukommen. Aber als wir dann bei der 3. Huette ankamen, auf circa 3700 Metern, klarte es auf und auf dem Gipfel angekommen holte ich mir dann auch bei blauem Himmel und Sonnenschein einen schoenen Sonnenbrand. Das Gefuehl endlich am gipfel zu sein ist wirklich unbeschreiblich. Die ganzen Strapazen der Stunden zuvor, in denen ich mich manchmal schon gefragt habe, warum ich das ganze mache, waren so gut wie verflogen und eine unglaubliche Freude stellte sich ein. Nun ging es also fuer die naechsten Stunden bergab, vorbei an den Lavastroemen der Ausbrueche aus den Jahren 1999 und 2000 sowie einzelnen Huegeln und Grasslandschaften. An einigen Stellen konnte man sogar Dampf vernehmen was immer noch fuer die Aktivitaet des Vulkans spricht. Nach einigen Stunden kamen wir dann sogar an den Kratern des Ausbruchs aus dem Jahre 1999 vorbei und die Umgebung aus Lavasand wirkte wie eine schwarze Wueste, in der doch einige Blumen bluehen. Einfach traumhaft!
Kurz danach erreichten wir dann unser Quartier fuer die 2. Nacht: Mann Spring. Leider wollte Lukas nicht die 4 Tagestour machen, bei der man auch die Chance hat Waldelefanten zu sehen. Dadurch wurde es nur eine 3 Tagestour und am naechsten Tag ging es wieder zurueck nach Buea. Gemeinsam kochten wir jedoch am Abend vorher noch wieder mit unseren Guide und den Portern, die wirklich lustig waren. Nachdem sie sich zu den Kilo Spaghetti noch circa 1 Kilo Reis gekocht hatten, den sie waehrend der Nacht und am naechsten Morgen wirklich komplett vertilgt hatten, tanzten wir noch um das Feuer fuer den Gott des Mount Cameroon bis es dann ins Bett ging. Frueh am naechsten Morgen ging es dann durch den Regenwald zurueck nach Buea. Leider begegneten uns auch hier keine exotischen Tiere und nur in der Ferne konnte man das Geschrei der Affen hoeren. Aber ich plane im Moment noch mal eine 2 tagestour zu den Waldelefanten zu machen. Schliesslich kann es ja nicht sein, dass die exotischten Tiere, die ich in freier Wildbahn hier gesehen habe, Ziegen, Schweine oder Huehner sind!
Nun aber erstmal wieder genug von mir. Die Blasen an meinen Fuessen verheilen gerade und es geht wieder mit der Arbeit weiter. Ich freue mich auf Neuigkeiten von euch, bis dann euer Sven!
Bild oben/ Meine 3. Klasse mit insgesamt 78 Schuelern!
Bild 1: Ruth, ich und unsere After School Club Kids
Bild 2: Ruth, Amstrong, ich und Kingsly
Bild 3: Affe in Limbe
Bild 4 und 5: Limbe
Bild 6: Der Berg von unten, so sah es am Freitag aus
Bild 7: Henri unser Guide auf dem Weg nach oben, Beginn der Savanne
Bild 8: Ganz schoen nebelig und feucht
Bild 9/ Blick von oben auf Buea
Bild 10: Endlich am Gipfel!!!
Bild 11 und 12: Lavastroeme aus den Jahren 1999 und 2000
Bild 13: Mont Etinde, der kleine Mount Cameroon
Bild &'/ Abholzungsproblematik im Regenwald