Montag, 30. Mai 2011

Good Bye Belo und Willkommen in Buéa !

Nach gut 4 ½ Monaten hiess es Abschied nehmen von Belo. Auch wenn ich oft frustriert war und mich gefragt habe welchen Einfluss ich vor Ort habe und ob mein Aufenthalt irgendetwas bringt, so musste ich in der letzten Woche dort feststellen wie schwierig es ist Auf Wiedersehen zu sagen. Einige Leute sind mit in der Zeit doch sehr ans Herz gewachsen und ich werde sie doch sehr vermissen. Die letzten Tage habe ich dann also versucht die Verabschiedungen und die restliche Arbeit unter einen Hut zu bringen und mich nicht zu sehr zu stressen. Naja der Stress war doch irgendwie vorprogrammiert: letzte dokumente fertig schreiben, ausdrucken, abheften, mit Joshua durchquatschen und und und. Am Ende habe ich sogar als Dankeschoen noch einen Kuchen auf die schnelle fuer Joshua und die ganze Familie gezaubert, was ich jedoch schnell bereute. Die Abschiedsworte von ihm waren nicht wirklich herzlich und Ruth und ich fragten uns doch inwiefern er ueberhaupt dankbar ist fuer das was wir gemacht haben. Es ist zwar so dass ich nicht 100 mal fuer meine freiwillige Arbeit ein Danke hoeren will, aber wenn man das Gefuehl hat jemand ist ueberhaupt nicht dankbar und schaetzt das ganze nicht wert, dann kann das eben doch sehr frustrierend sein. Somit gab es fuer uns einen einfachen Haendedruck und fuer die Familie noch einen Schokobananenkuchen oben drauf.

Aber dafuer war der Abschied von anderen Leuten umso trauriger;, insbesondere von unseren Lieblingskindern Amstrong und Kingsly. Amstrong ist 15 und geht im Moment in die 7 Klasse. Eigentlich kam er so gut wie jeden Abend bei uns vorbei und es war echt immer schoen mit ihm zu reden zu diskutieren. Sein Englisch ist wirklich gut und er ist der 2. Beste in seiner Klasse (wohl bemerkt von 110 Schuelern). Er hat auf jeden Fall ein grosses Potenzial, nur leider ist seine Mutter bereits verstorben und sein Vater hat ihn verlassen. Somit bestreitet er mit seinen 15 jahren seinen Lebensalltag allein so gut er kann. Dabei wollten wir ihn auch ein bisschen unterstuetzen und haben die Schulgebuehren fuer das kommende Jahr bezahlt. Ausserdem habe ich ihn die Haelfte meines Kleiderschranks vermacht, so dass er nicht immer die selben Klamotten tragen muss. Kingsly ist ebenfalls ein permanenter Gast in unserem Haus gewesen und hat sich ruehrend um unseren Garten gekuemmert und uns mit seinen Anekdoten immer unterhalten. Zum Abschied hat er sogar sein hart erarbeitetes Geld in ein Abschiedsgeschenk fuer mich investiert. An Markttagen traegt er die Kiloschweren Saecke fuer Leute und das den ganzen Tag lang. Wenn er viel arbeitet verdient er an einem Tag um die 2 Euro dafuer. Und fuer 1,50 hat er mir dann eine traditionelle Tasche gekauft und diese handbemalt. Das hat mich wirklich sehr geruehrt und gefreut.

Bei meinen Schuelern hatte ich hingegen erst das Gefuehl denen waere es vollkommen egal dass ich nun gehen. Meine 3. Klasse hatte in meiner letzten offiziellen Stunde kein Zeichen von Traurigkeit gezeigt. Dabei hatte ich doch so viele schoene selbstgemalte Bilder erwartet haha. Aber als ich dann am Freitag nochmal vorbei kam um Tschuess zu sagen und die Tests wiederzugeben, hielt Samuel (der klassen beste) eine kleine Rede und 80 Kinder sagen ein selbst komponiertes Lied fuer mich. Das hat mich doch fast zum Weinen gebracht und auch wenn ich manchmal gerade in der Klasse wirklich frustriert war, hat es mir gezeigt wie sehr mir der Unterricht Spass gemacht hat und die Kinder mir fehlen werden.

Nach dem auch sehr traurigen Abschied von unseren Freiwilligenkollegen und unserer feuchtfroehlichen Abschiedsfeier (mit dem guten Wein aus dem Pappkarton), machten Ruth und ich uns nun also am 14. Mai auf den Weg nach Buea.

Nach einer wirklich ziemlich langen und anstrengenden Fahrt, die um 5 Uhr morgens begann, kamen wir gegen 18 Uhr dann in Buea an. Schon von weitem konnte man den Mount Cameroon sehen, der mit 4095 Metern der hoechste Berg Westafrikas und in der gesamten Region ist. Buea liegt direkt am Fusse des Berges und hat deswegen ein recht angenehmes Klima. Insbesondere dort wo ich wohne und arbeite ist es meist ziemlich angenehm kuehl und nicht zu feucht. Mein neues Viertel heisst also Buea Town und liegt etwas ueberhalb der Innenstadt und ist ausserdem wesentlich ruhiger und angenehmer. Untergekommen bin ich bei einer Gastfamilie wo bereits Lea, eine andere Deutsche, wohnt. Die Gastfamilie ist wirklich super nett und kuemmert sich ruehrend um einen. Manchmal dann doch etwas zu viel und insbesondere die Gastmutter Catherine ist dann doch sehr bemutternd. So beobachtet sie meist genau wieviele Kartoffeln ich nun esse und ob ich nicht lieber noch eine essen soll, da ich einfach nicht genug esse... Naja ich koennte das nun hier fortfuehren, aber ehrlich gesagt find ich das ganze auch recht putzig. Sie ist halt besorgt. Insbesondere die beiden Enkelkinder Grace und Michael sind ziemlich aktiv und wild. So ist mein Zimmer meist nicht mehr sicher und es wird getobt, gerannt und gespielt. Der perfekte Ausgleich nach einem Tag im Buero.

Die Arbeit macht auch wirklich spass und mein Kollege Jean-Claude ist wirklich super nett. Wir hatten die letzten beiden Wocheen doch jede Menge zu tun und haben uns ueberwiegend um die Vorbereitung des Stakeholder Meetings fuer das Projekt gekuemmert. Dabei geht es um die Verwendung von effizienten Brennholzkochern, die die lokaleBevoelkerung in Zukunft benutzen bzw. erwerben sollen. Diese sparen deutlich mehr Holz als traditionelle Kocher bzw. Dreisteine Feuer ein. Das schuetzt wiederum die Waelder, da Abholzung in Kamerun ein grosses Problem ist, aber auch die Gesundheit der Leute sowie ihre finanziellen Ausgaben fuer Brennholz. Wer mehr Informationen zu aehnlichen Projekten haben moechte, kann mal einen Blick auf die Homepage von atmosfair werfen!

Neben der Arbeit verbrachte ich dann das erste Wochenende nochmal zusammen mit Ruth und zwar in Limbe. Neben Kribi der Hauptbadeort Kameruns und circa 1 Stunde von Buea entfernt. Dort haben wir dann den Zoo besucht indem vor allem Affen gehalten werden die von Jaegern gerettet wurden. Das Jagen von Affen, darunter auch bedrohte Arten, ist hier immer noch ein grosses Problem. Das Fleisch wird als Delikatesse angesehen und es gibt auch viele Leute, die Affen gerne als Haustiere halten. Der Zoo nimmt dann saemtliche dieser illegal gehaltenen bzw. fuer Essensfleisch gefangene Affen auf. Danach haben wir dann den Tag insbesondere an den verschiedenen Straenden von Limbe genossen. Aufgrund des Mount Cameroons, der immer noch ein aktiver Vulkan ist, sind die Straende von Limbe im Gegensatz zu Kribi schwarz. Leider war es nicht so sonnig, da nun langsam doch die Regenzeit Einzug erhaelt und so viel war es dann doch nicht mit Sonne tanken. Aber den Sprung ins kuehle Nass konnte ich mir dann doch nicht verkneifen.

Nach dem Wochenende hiess es dann auch Abschied nehmen von Ruth, die wieder nach England zurueck geflogen ist. Der Abschied war wohl mit der schwerste, denn wenn man 5 Monate zusammen wohnt, sich rund um die Uhr sieht, so gut versteht und durch dick und duenn geht in manch schwierigen Zeiten, dann faellt einem das nun wirklich nicht leicht. Zumal mein Magen auch mal wieder gestreikt hat zu der Zeit und mich das ganze dann insgesamt eine Woche plagte. Aber ich hoffe Ruth und die anderen Freiwilligen bald bei einem Treffen in England wiederzusehen!

Vergangenes Wochenende habe ich dann doch noch die Initiative ergriffen und den Mount Cameroon bestiegen. Quasi eins der touristischen Highlights von Kamerun. Ich habe schon die ganze Zeit gehen wollen, nur wollte ich erstmal mit dem Projekt vorankommen und die Organisation des Meetings so gut es geht abschliessen. Aber aufgrund der immer staerkere werdenden Regenzeit wollte ich das ganze dann auch so schnell es geht machen. Denn auf 3 tage wandern bei Regen hatte ich dann doch keine Lust. Zusammen mit Lukas aus der Schweiz sowie unserem Guide Henri und den beiden Portern William und Solomon ging es dann am Freitag morgen los. Waehrend ich nur mein kleinen Rucksack von circa 8 Kilo den Berg rauf schleppen musste, trugen die beiden Porter saemtliches Equipment. Sprich Zelt, Toepfe; Schlafsaecke; Essen usw. Insgesamt traegt jeder porter um die 30 kilo. Eine stolze Summe wenn man sich ueberlegt dass der Berg 4095 Meter hoch ist. Bis auf einem kleinen Regenschauer am ersten Tag hatten wir dann aber auch wirkliches Glueck mit dem Wetter. Blauer Himmel und Sonnenschein begleiteten uns auf den meisten Teilen des Weges durch verschiedene Landschafts- und Vegetationszonen. Von Regenwald, bis zur Savanna sowie Vulkankratern und meter breiten Lavafluessen. Einfach ein Traum! Am ersten Tag ging es also circa 7 Stunden bergauf bis zur 2. Huette. Von dort hatte man einen wunderbaren Ausblick auf Buea, Limbe sowie nachts sogar auf Douala. Diesen Ausblick genoss ich dann auch als die Sonne langsam unterging und es um uns herum ruhig war und man nur Vogelgezwitscher hoeren konnte. Das war mit Abstand einer der schoensten Momente in Kamerun , den ich noch haette stundenlang geniessen koennen.

Nach einer nicht allzu bequemen Nacht ging es dann von 2800Metern hoehe in Richtung Gipfel. Zunaechst sah es stark nach Regen aus und es war so nebelig, dass wir eng zusammen bleiben mussten um nicht vom Weg abzukommen. Aber als wir dann bei der 3. Huette ankamen, auf circa 3700 Metern, klarte es auf und auf dem Gipfel angekommen holte ich mir dann auch bei blauem Himmel und Sonnenschein einen schoenen Sonnenbrand. Das Gefuehl endlich am gipfel zu sein ist wirklich unbeschreiblich. Die ganzen Strapazen der Stunden zuvor, in denen ich mich manchmal schon gefragt habe, warum ich das ganze mache, waren so gut wie verflogen und eine unglaubliche Freude stellte sich ein. Nun ging es also fuer die naechsten Stunden bergab, vorbei an den Lavastroemen der Ausbrueche aus den Jahren 1999 und 2000 sowie einzelnen Huegeln und Grasslandschaften. An einigen Stellen konnte man sogar Dampf vernehmen was immer noch fuer die Aktivitaet des Vulkans spricht. Nach einigen Stunden kamen wir dann sogar an den Kratern des Ausbruchs aus dem Jahre 1999 vorbei und die Umgebung aus Lavasand wirkte wie eine schwarze Wueste, in der doch einige Blumen bluehen. Einfach traumhaft!

Kurz danach erreichten wir dann unser Quartier fuer die 2. Nacht: Mann Spring. Leider wollte Lukas nicht die 4 Tagestour machen, bei der man auch die Chance hat Waldelefanten zu sehen. Dadurch wurde es nur eine 3 Tagestour und am naechsten Tag ging es wieder zurueck nach Buea. Gemeinsam kochten wir jedoch am Abend vorher noch wieder mit unseren Guide und den Portern, die wirklich lustig waren. Nachdem sie sich zu den Kilo Spaghetti noch circa 1 Kilo Reis gekocht hatten, den sie waehrend der Nacht und am naechsten Morgen wirklich komplett vertilgt hatten, tanzten wir noch um das Feuer fuer den Gott des Mount Cameroon bis es dann ins Bett ging. Frueh am naechsten Morgen ging es dann durch den Regenwald zurueck nach Buea. Leider begegneten uns auch hier keine exotischen Tiere und nur in der Ferne konnte man das Geschrei der Affen hoeren. Aber ich plane im Moment noch mal eine 2 tagestour zu den Waldelefanten zu machen. Schliesslich kann es ja nicht sein, dass die exotischten Tiere, die ich in freier Wildbahn hier gesehen habe, Ziegen, Schweine oder Huehner sind!

Nun aber erstmal wieder genug von mir. Die Blasen an meinen Fuessen verheilen gerade und es geht wieder mit der Arbeit weiter. Ich freue mich auf Neuigkeiten von euch, bis dann euer Sven!

Bild oben/ Meine 3. Klasse mit insgesamt 78 Schuelern!

Bild 1: Ruth, ich und unsere After School Club Kids

Bild 2: Ruth, Amstrong, ich und Kingsly

Bild 3: Affe in Limbe

Bild 4 und 5: Limbe

Bild 6: Der Berg von unten, so sah es am Freitag aus

Bild 7: Henri unser Guide auf dem Weg nach oben, Beginn der Savanne

Bild 8: Ganz schoen nebelig und feucht

Bild 9/ Blick von oben auf Buea

Bild 10: Endlich am Gipfel!!!

Bild 11 und 12: Lavastroeme aus den Jahren 1999 und 2000

Bild 13: Mont Etinde, der kleine Mount Cameroon

Bild &'/ Abholzungsproblematik im Regenwald















Dienstag, 10. Mai 2011

Frohe Ostern, Tag der Arbeit und eklige Wuermer!


Die letzten Wochen standen weiter im Zeichen der Arbeit. Die Tourismuswebsite nimmt so langsam Form an. Der Websiteninhalt ist fertig geschrieben und wurde bereits von Ruth korrigiert – schliesslich wird die Seite zunaechst erstmal auf Englisch erscheinen. Die meisten Bilder sind nun ausgewaehlt und bald auf dem Weg zu Natalia, die sich um das Layout der Seite kuemmert. Im Gegensatz dazu haengt das Waisenprojekt immer noch ein wenig in der Luft. Nichtsdestotrotz arbeiten wir weiterhin dran so viel zu moeglich zu schaffen bis wir dann am 14. Mai Belo verlassen. Fuer die Zeit nach Belo habe ich mir aber auch vorgenommen von zu Hause aus weiter fuer die Organisation zu arbeiten. Dabei will ich insbesondere das Waisenprojekt voranbringen, Projekte von RUDEC auf betterplace.org praesentieren und Spendenaktivititaten dadurch verbessern sowie mich weiterhin an dem Tourismusprojekt beteiligen.


Falls wir mal nicht gearbeitet haben oder der Strom wieder fuer ein paar Tage ausfiel, nutzten wir die Zeit um nach Bamenda zu fahren und unsere Freiwilligen-Osterfeier vorzubereiten. Auch wenn wir nicht wirklich gefastet haben war es Zeit ein leckeres Essen zu zaubern und uns die Baeuche mit Schokolade vollzuschlagen. Gluecklicherweise haben wir vor Wochen ein Shop in Bamenda entdeckt der Snickers, Cornflakes Schokolade und Haribo Erdbeeren verkauft. Das die ganzen Sachen wesentlich teurer sind als bei uns zu Hause war uns dabei in dem Moment eigentlich eher egal. Neben den Suesskram gab es dann als Osteressen Huehnchen mit Bratkartoffeln, Gemuese, ueberbackenem Blumenkohl sowie als Nachtisch Choco Crossies selbst gemacht. Ein Gaumenschmaus sage ich euch! Da hat sich das 3 stunden lange brutzeln und braten doch gelohnt. Leider war das Abendmahl sowie die teuer erworbene Schokolade dann auch schneller wieder verspeist als gedacht. Am Morgen des Ostersonntag machten Simon, Ruth und ich uns dann auf dem Weg fuer eine kleine Osterwanderung. Ihr habt euch sicherlich schon gefragt wie locale Leute Ostern feiern. Ich war ehrlich gesagt ziemlich ueberrascht, da ich das Gefuehl hatte vielen ging Ostern ziemlich am allerwertesten vorbei. Und das obwohl die Leute hier doch so glaeubig und christlich sind. Ich traue mich hier eigentlich nie zu sagen, dass ich nicht glaeubig bin, da viele Leute dadurch verletzt werden und dies in stundenlangen Diskussionen mit Wutanfaellen enden kann. Aber auf unser “Happy Easter” kam meist nur ein verdutzter Blick zurueck. Schon komisch, schliesslich ist Ostern wohl mit Weihnachten das bedeutsamste Fest der Christen. Wobei ich nicht weiss was in den Kirchen Belos passiert ist. Die meisten Leute schienen wie immer Sonntags in die Kirche zu gehen. Wir hingegen machten uns wie gesagt auf zum Pilgern. Das Ziel waren 12 Kreuze auf dem Gipfel eines Berges, die im Prinzip den Verlauf der Kreuzigung Jesus zeigen. Von dem Gipfel, den wir innerhalb von 2 Stunden erreichten, hatte man einen tollen Ausblick auf die Umgebung Belos. Inzwischen kennen wir uns hier sogar so gut aus, dass wir viele andere Wanderstrecken wieder entdeckten und einzelne Doerfer bennenen konnten.


Ein grosses Highlight fuer die locale Bevoelkerung hier ist sicherlich der 01. Mai gewesen – der Tag der Arbeit. Wie bereits der Youth Day wird der Tag der Arbeit ebenfalls in grossem Stil gefeiert. Dabei ging es dismal eigentlich nur ums Marschieren und zwar nicht in Belo, sondern in Fundong. Fundong ist die Hauptstadt von Boyo Division, einer weiteren Gebietsunterteilung. Somit versammelten sich alle Arbeitsvereinigung, Grossunternehmen, Krankenhaeuser etc. aus der Boyo Division (Belo gehoert auch dazu) in Fundong um zu marschieren. Ausschliesslich fuer diesen Tag lassen alle Vereinigungen dann T-Shirts, Anzuege oder Kleider machen und investieren ein Haufen in Geld in ihre 5 Minuten Ruhm indem sie an Menschenmassen und dem lokalen Versammlungsplatz vorbei marschieren. Angeblich bezahlen sogar einige externe Leute, damit diese dann fuer die Vereinigung marschieren. Schliesslich sieht es ja nicht gut aus wenn fuer eine Schneiderei in der eigentlich 3 Leute arbeiten, nur 3 Leute marschieren wuerden. Da brauch man glatt mal 20 mehr. Wir bewunderten somit mal wieder wieviel Geld die Leute eben fuer solche Grossereignisse ausgeben. Das ganze hatte eben auch ein bisschen die Atmosphaere von Karneval. Insbesondere als die Marktvereinigungen vorbei marschierten. Diese trugen Gemuese und Fruechte mit sich und schmissen diese dann am Ende ihres Marschs in die Menge. Viele Leute rasteten foermlich aus und kloppten sich um Zwiebeln und Tomaten. Wir hingegen konzentrierten uns mehr auf die Wurfbahn dieser Objekte, da ich keine Lust hatte von einer ueberdimensional grossen Zwiebel getroffen zu werden. Ohne jegliche Blessuren ueberstanden wir dann auch die Marschiererei und machten uns wieder auf den Weg nach Hause.


Ansonsten gibt es lediglich nur noch eine Wurmanekdote zu berichten. Also fuer diejenigen, die keine Lust haben auf eklige Stories, bitte ueberspringt diesen Absatz J. Eines Tages entdeckte ich einen komischen Stich an meinem Bein. Zunaechst hielt ich es fuer einen Mueckenstich, doch als mein Bein immer mehr anschwollte und die Stelle sich langsam rot verfaerbte, juckte und anfing nachts tierisch zu brennen, wurde ich etwas unberuhigter. Da andere Freiwillige in den letzten Wochen aehnliches erlebten und sogenannte Tumbu Flies in sich hatten, beschloss ich saemtliche Praeventionsmassnahmen anzuwenden. Dies bedeutete Vaseline auf die Stelle zu schmieren, so dass die Luftzufuhr fuer die Larve gekappt wird. Dies tat ich also fuer 3 Tage und mein Bein entfaerbte sich langsam wieder. Und wenig spaeter kam aus meinem Bein ein kleiner toter Wurm und hinterliess ein kleines Loch in meinem Bein. Hoffentlich gibt das ganze eine schoene Narbe, so dass ich dann auch noch in 30 Jahren die Anekdote von meiner Tumbu Flie Larve, die fuer eine Woche in meinem Bein lebte, erzaehlen kann. Und ich meine ich hatte noch Glueck mit der Stelle meines Tumbu Flies. Eine andere Freiwillige hatte 2 davon an einer unbequemeren Stelle und konnte fuer 2 Tage lang nicht wirklich sitzen. Nun fragt ihr euch sicherlich: “ Was macht Sven dass er diese ekligen Viecher bekommt? Klettert er taeglich durch Buesche?”. Die Antwort zur 2. Frage ist Nein. Scheinbar bekommt man diese lieblichen Tiere durch das Waschen der Kleidung. Wie ihr sicherlich wisst waschen wir hier alles mit der Hand und haengen es dann zum Trocknen auf die Leine. Scheinbar muss Mama Tumbu Flie also dann kommen, ihre Eier in die Klamotten legen und von der Kleidungen gehen die kleinen Larven dann ueber in den Koerper. Angeblich soll man somit also seine Kleidung nach dem Trocknen fuer 3 Tage nicht anziehen, da nach den 3 Tagen die Larven gestorben sind. Ob das nun wahr ist weiss ich jedoch nicht, zumal bei der minimalen Klamottenauswahl die ich hier habe, die 3 Tage Regel sowieso nicht einzuhalten ist. So jetzt aber Schluss mit den Ekelgeschichten!


Nun ist meine Zeit in Belo also so gut wie um. Mir bleiben nur noch wenige Tage und ich kann es immer noch nicht fassen wie schnell die Zeit nun verflogen ist. Auch wenn es ab und an Momente gab und immer noch gibt wo alles ein bisschen zu viel war/ist und ich am liebsten nach Hause geflogen waer, so ueberwiegt im Moment doch ein Gefuehl von Wehmut und Traurigkeit. Insbesondere einige Leute sind mir in den 4 Monaten hier sehr ans Herz gewachsen. Dazu zaehlen vor allem einige Kinder, die anderen Freiwilligen und andere Leute mit denen ich echt tolle, tiefgruendige und bereichernde Gespraeche hatte. Ich bin ebenfalls ein bisschen traurig darueber, dass ich oft und immer noch das gefuehl hatte/habe, dass ich nicht wirklich viel erreichen konnte in meiner Zeit. Es gibt einfach noch so viel zu tun sowohl fuer RUDEC als auch fuer die gesamte Gemeinde von Belo. Aber um all die Probleme zu loesen braeuchte man mit Sicherheit Jahre, wenn ueberhaupt alles loesbar ist aufgrund kultureller Unterschiede, bestimmten Glaubensvorstellungen usw. Man stellt sich doch oft die Frage inwiefern Entwicklungshilfe wirklich was bringen kann.


Nun liegen aber also weitere 1 ½ Monate vor mir, in denen ich versuche das Weltklima und die Umwelt Kameruns zu retten. Naja zumindest versuche ich meinen Teil dazu beizusteuern. Ich freue mich auf diese spannende Zeit, die neuen Aufgaben und das neue Umfeld. Aber ich muss auch gestehen, dass jetzt wo die Packerei zum ersten Mal beginnt, ich auch oft schon an die Heimat denke und ich mich auch auf euch alle sehr dolle freue.


Also das naechste Mal melde ich mich dann aus Buea. Bis dahin freue ich mich ueber saemtliche Nachrichten und News von euch.


Bild 1: Vorsicht die Marktfrauen marschieren und schmeissen Zwiebeln!


Bild 2: Was fuer ein Widerspruch 100% Abstinenz ansonsten 100% Kondom!


Bild 3: Der Gipfel des bezwungenen Bergs bei unserer Osterwanderung


Bild 4: Ausblick auf die Umgebung Belos