Die letzten Wochen standen weiter im Zeichen der Arbeit. Die Tourismuswebsite nimmt so langsam Form an. Der Websiteninhalt ist fertig geschrieben und wurde bereits von Ruth korrigiert – schliesslich wird die Seite zunaechst erstmal auf Englisch erscheinen. Die meisten Bilder sind nun ausgewaehlt und bald auf dem Weg zu Natalia, die sich um das Layout der Seite kuemmert. Im Gegensatz dazu haengt das Waisenprojekt immer noch ein wenig in der Luft. Nichtsdestotrotz arbeiten wir weiterhin dran so viel zu moeglich zu schaffen bis wir dann am 14. Mai Belo verlassen. Fuer die Zeit nach Belo habe ich mir aber auch vorgenommen von zu Hause aus weiter fuer die Organisation zu arbeiten. Dabei will ich insbesondere das Waisenprojekt voranbringen, Projekte von RUDEC auf betterplace.org praesentieren und Spendenaktivititaten dadurch verbessern sowie mich weiterhin an dem Tourismusprojekt beteiligen.
Falls wir mal nicht gearbeitet haben oder der Strom wieder fuer ein paar Tage ausfiel, nutzten wir die Zeit um nach Bamenda zu fahren und unsere Freiwilligen-Osterfeier vorzubereiten. Auch wenn wir nicht wirklich gefastet haben war es Zeit ein leckeres Essen zu zaubern und uns die Baeuche mit Schokolade vollzuschlagen. Gluecklicherweise haben wir vor Wochen ein Shop in Bamenda entdeckt der Snickers, Cornflakes Schokolade und Haribo Erdbeeren verkauft. Das die ganzen Sachen wesentlich teurer sind als bei uns zu Hause war uns dabei in dem Moment eigentlich eher egal. Neben den Suesskram gab es dann als Osteressen Huehnchen mit Bratkartoffeln, Gemuese, ueberbackenem Blumenkohl sowie als Nachtisch Choco Crossies selbst gemacht. Ein Gaumenschmaus sage ich euch! Da hat sich das 3 stunden lange brutzeln und braten doch gelohnt. Leider war das Abendmahl sowie die teuer erworbene Schokolade dann auch schneller wieder verspeist als gedacht. Am Morgen des Ostersonntag machten Simon, Ruth und ich uns dann auf dem Weg fuer eine kleine Osterwanderung. Ihr habt euch sicherlich schon gefragt wie locale Leute Ostern feiern. Ich war ehrlich gesagt ziemlich ueberrascht, da ich das Gefuehl hatte vielen ging Ostern ziemlich am allerwertesten vorbei. Und das obwohl die Leute hier doch so glaeubig und christlich sind. Ich traue mich hier eigentlich nie zu sagen, dass ich nicht glaeubig bin, da viele Leute dadurch verletzt werden und dies in stundenlangen Diskussionen mit Wutanfaellen enden kann. Aber auf unser “Happy Easter” kam meist nur ein verdutzter Blick zurueck. Schon komisch, schliesslich ist Ostern wohl mit Weihnachten das bedeutsamste Fest der Christen. Wobei ich nicht weiss was in den Kirchen Belos passiert ist. Die meisten Leute schienen wie immer Sonntags in die Kirche zu gehen. Wir hingegen machten uns wie gesagt auf zum Pilgern. Das Ziel waren 12 Kreuze auf dem Gipfel eines Berges, die im Prinzip den Verlauf der Kreuzigung Jesus zeigen. Von dem Gipfel, den wir innerhalb von 2 Stunden erreichten, hatte man einen tollen Ausblick auf die Umgebung Belos. Inzwischen kennen wir uns hier sogar so gut aus, dass wir viele andere Wanderstrecken wieder entdeckten und einzelne Doerfer bennenen konnten.
Ein grosses Highlight fuer die locale Bevoelkerung hier ist sicherlich der 01. Mai gewesen – der Tag der Arbeit. Wie bereits der Youth Day wird der Tag der Arbeit ebenfalls in grossem Stil gefeiert. Dabei ging es dismal eigentlich nur ums Marschieren und zwar nicht in Belo, sondern in Fundong. Fundong ist die Hauptstadt von Boyo Division, einer weiteren Gebietsunterteilung. Somit versammelten sich alle Arbeitsvereinigung, Grossunternehmen, Krankenhaeuser etc. aus der Boyo Division (Belo gehoert auch dazu) in Fundong um zu marschieren. Ausschliesslich fuer diesen Tag lassen alle Vereinigungen dann T-Shirts, Anzuege oder Kleider machen und investieren ein Haufen in Geld in ihre 5 Minuten Ruhm indem sie an Menschenmassen und dem lokalen Versammlungsplatz vorbei marschieren. Angeblich bezahlen sogar einige externe Leute, damit diese dann fuer die Vereinigung marschieren. Schliesslich sieht es ja nicht gut aus wenn fuer eine Schneiderei in der eigentlich 3 Leute arbeiten, nur 3 Leute marschieren wuerden. Da brauch man glatt mal 20 mehr. Wir bewunderten somit mal wieder wieviel Geld die Leute eben fuer solche Grossereignisse ausgeben. Das ganze hatte eben auch ein bisschen die Atmosphaere von Karneval. Insbesondere als die Marktvereinigungen vorbei marschierten. Diese trugen Gemuese und Fruechte mit sich und schmissen diese dann am Ende ihres Marschs in die Menge. Viele Leute rasteten foermlich aus und kloppten sich um Zwiebeln und Tomaten. Wir hingegen konzentrierten uns mehr auf die Wurfbahn dieser Objekte, da ich keine Lust hatte von einer ueberdimensional grossen Zwiebel getroffen zu werden. Ohne jegliche Blessuren ueberstanden wir dann auch die Marschiererei und machten uns wieder auf den Weg nach Hause.
Ansonsten gibt es lediglich nur noch eine Wurmanekdote zu berichten. Also fuer diejenigen, die keine Lust haben auf eklige Stories, bitte ueberspringt diesen Absatz J. Eines Tages entdeckte ich einen komischen Stich an meinem Bein. Zunaechst hielt ich es fuer einen Mueckenstich, doch als mein Bein immer mehr anschwollte und die Stelle sich langsam rot verfaerbte, juckte und anfing nachts tierisch zu brennen, wurde ich etwas unberuhigter. Da andere Freiwillige in den letzten Wochen aehnliches erlebten und sogenannte Tumbu Flies in sich hatten, beschloss ich saemtliche Praeventionsmassnahmen anzuwenden. Dies bedeutete Vaseline auf die Stelle zu schmieren, so dass die Luftzufuhr fuer die Larve gekappt wird. Dies tat ich also fuer 3 Tage und mein Bein entfaerbte sich langsam wieder. Und wenig spaeter kam aus meinem Bein ein kleiner toter Wurm und hinterliess ein kleines Loch in meinem Bein. Hoffentlich gibt das ganze eine schoene Narbe, so dass ich dann auch noch in 30 Jahren die Anekdote von meiner Tumbu Flie Larve, die fuer eine Woche in meinem Bein lebte, erzaehlen kann. Und ich meine ich hatte noch Glueck mit der Stelle meines Tumbu Flies. Eine andere Freiwillige hatte 2 davon an einer unbequemeren Stelle und konnte fuer 2 Tage lang nicht wirklich sitzen. Nun fragt ihr euch sicherlich: “ Was macht Sven dass er diese ekligen Viecher bekommt? Klettert er taeglich durch Buesche?”. Die Antwort zur 2. Frage ist Nein. Scheinbar bekommt man diese lieblichen Tiere durch das Waschen der Kleidung. Wie ihr sicherlich wisst waschen wir hier alles mit der Hand und haengen es dann zum Trocknen auf die Leine. Scheinbar muss Mama Tumbu Flie also dann kommen, ihre Eier in die Klamotten legen und von der Kleidungen gehen die kleinen Larven dann ueber in den Koerper. Angeblich soll man somit also seine Kleidung nach dem Trocknen fuer 3 Tage nicht anziehen, da nach den 3 Tagen die Larven gestorben sind. Ob das nun wahr ist weiss ich jedoch nicht, zumal bei der minimalen Klamottenauswahl die ich hier habe, die 3 Tage Regel sowieso nicht einzuhalten ist. So jetzt aber Schluss mit den Ekelgeschichten!
Nun ist meine Zeit in Belo also so gut wie um. Mir bleiben nur noch wenige Tage und ich kann es immer noch nicht fassen wie schnell die Zeit nun verflogen ist. Auch wenn es ab und an Momente gab und immer noch gibt wo alles ein bisschen zu viel war/ist und ich am liebsten nach Hause geflogen waer, so ueberwiegt im Moment doch ein Gefuehl von Wehmut und Traurigkeit. Insbesondere einige Leute sind mir in den 4 Monaten hier sehr ans Herz gewachsen. Dazu zaehlen vor allem einige Kinder, die anderen Freiwilligen und andere Leute mit denen ich echt tolle, tiefgruendige und bereichernde Gespraeche hatte. Ich bin ebenfalls ein bisschen traurig darueber, dass ich oft und immer noch das gefuehl hatte/habe, dass ich nicht wirklich viel erreichen konnte in meiner Zeit. Es gibt einfach noch so viel zu tun sowohl fuer RUDEC als auch fuer die gesamte Gemeinde von Belo. Aber um all die Probleme zu loesen braeuchte man mit Sicherheit Jahre, wenn ueberhaupt alles loesbar ist aufgrund kultureller Unterschiede, bestimmten Glaubensvorstellungen usw. Man stellt sich doch oft die Frage inwiefern Entwicklungshilfe wirklich was bringen kann.
Nun liegen aber also weitere 1 ½ Monate vor mir, in denen ich versuche das Weltklima und die Umwelt Kameruns zu retten. Naja zumindest versuche ich meinen Teil dazu beizusteuern. Ich freue mich auf diese spannende Zeit, die neuen Aufgaben und das neue Umfeld. Aber ich muss auch gestehen, dass jetzt wo die Packerei zum ersten Mal beginnt, ich auch oft schon an die Heimat denke und ich mich auch auf euch alle sehr dolle freue.
Also das naechste Mal melde ich mich dann aus Buea. Bis dahin freue ich mich ueber saemtliche Nachrichten und News von euch.
Bild 1: Vorsicht die Marktfrauen marschieren und schmeissen Zwiebeln!
Bild 2: Was fuer ein Widerspruch 100% Abstinenz ansonsten 100% Kondom!
Bild 3: Der Gipfel des bezwungenen Bergs bei unserer Osterwanderung
Bild 4: Ausblick auf die Umgebung Belos
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