Dienstag, 25. Januar 2011

“ Today you gonna learn white man things”

Mit dieser “Ueberschrift” wurde ich in meiner ersten Stunde von der Klassenlehrerin vorgestellt. Wenn Kinder uns Ubangda oder auf englisch white men nennen, kann ich darueber noch schmunzeln. Aber wenn ein Erwachsener dies tut, wirkt das sehr befremdlich. Die Situation war auf jeden Fall sehr komisch. Ich wusste nicht, ob sie wirklich denkt wir wissen so viel mehr als “die” oder ob sie nett sein wollte und nicht daran denkt, dass dies fuer uns komisch sein koennte. Aber in dem Moment blieb keine Ssekunde um darueber nachzudenken, denn so fing gestern meine erste Franzoesisch Stunde an – mit 76 Kindern. Ich unterrichte nun zwei mal in der Woche an einer Grundschule Franzoesisch. Einmal in der 3. Klasse und einmal in der 5. Die Kinder sind wirklich lieb, nur mit dem Franzoesisch klappt es noch nicht so gut. Aber das kann man ihnen bei dem Unterrichtsstil nicht veruebeln. Die Kinder werden hier eher dazu erzogen moeglichst alles so schnell es geht von der Tafel abzuschreiben. Aber ob sie es verstanden haben interessiert die Lehrer so erstmal nicht wirklich. Anhand einfacher Saetze wollte ich sehen wie weit die Kinder sind in Franzoesisch. Einige von ihnen wussten was Comment ca va oder Comment tu t’appelles bedeutet. Aber als ich am Ende versuchen wollte in Partnerarbeit einfache Dialoge zu ueben waren sie komplett ueberfordert. Scheinbar sprechen sie im Unterricht nie franzoesisch und sind an den puren Frontalunterricht gewoehnt. In gewissen Faechern, bei der Anzahl von Schuelern kann man das vielleicht den Lehrern noch nicht einmal komplett veruebeln. Aber jeder der eine Sprache mal gelernt hat weiss wie wichtig es ist, diese auch sprechen zu koennen…Zum Glueck war die Stunde dann zu Ende und ich musste mir nicht schnell eine neue Methode ausdenken, um sie zum Sprechen zu kriegen. Nun habe ich eine Woche Zeit um mir darueber Gedanken zu machen wie ich den Unterricht ein bisschen interaktiver gestalten kann (an meine Lehrerfreunde, Tipps sind erwuenscht ).

Neben den Abenteuer Schule, haben wir nun angefangen unsere Waisenkinder zu besuchen. Wir wollen endlich unser Sponsoren Projekt fuer die Kinder voranabringen. Dadurch holen wir uns die Erlaubnis ein, um Informationen und Bilder von den Kindern auf der Seite von RUDEC zu veroeffentlichen. Ausserdem machen wir auch neue fotos mit den Kindern. Neben den Fotos freuen sich die Leute hier auch darueber eine Unterschrift zu geben. Insbesondere die Grossmuetter oder andere Verwandte kuemmern sich nach dem Tod der Eltern um die Kinder. Da diese Personen meist jedoch nie lesen und schreiben gelernt haben, ist es fuer sie gar unmoeglich eine Unterschrift zu geben. Aber bisher haben sie es alle gemacht (wenn auch nur kleine kringel) und freuen sich tierisch darueber.

Ansonsten starten wir naechste Woche unseren After School Club. Jeden Montag und Mittwoch werden wir den Kindern bei Hausaufgaben und Schulproblemen helfen, sowie danach Spiele anbieten, malen oder Fussball spielen. Da freuen wir uns schon wieder drauf, denn die Arbeit mit den Kindern hier ist wirklich sehr angenehm und sicherlich die, bei der man am meisten Dankbarkeit zurueck bekommt.

Nebenher fallen immer mal wieder auch Aufgaben an wie den Januar Newsletter zu gestalten, den Volunteer Guide weiter zu bearbeiten und fuer mich an dem Tourismusprojekt zu arbeiten. Dies ist jedoch gar nicht mal so einfach. Insbesondere die langsame Internetverbindung macht jeglichen Versuch Kontakt zu Unternehmen in Europa und den USA aufzunehmen zu einem Akt. Insbesondere wenn man nur nach einfachen Informationen suchen will, kann dies mehrere Stunden dauern.

Oh und ich habe noch einen Lehrerjob angenommen. Der Wasserhaendler unseres Vertrauens, der in seiner Butze jeden Tag von morgens bis abends hocken muss, und ein Freund von ihm wollen deutsch lernen. Echt beides super nette Jungs und mir tut er echt leid. Es kommen so gut wie keine Kunden und die einzige Unterhaltungsquelle die e rim Moment hat ist ein Fernseher mit immer den selben TV Programm. Deswegen leiste ich ihn ab und an gerne Gesellschaft und freue mich tierisch darueber dass hier Leute deutsch lernen wollen. Insbesondere aufgrund der Geschichte Kameruns!

Ihr seht also dass ich mich langsam in die Arbeit gestuerzt habe. Da der Bericht bisher sehr arbeitslastig ist, nun auch ein paar andere Infos. Am vergangenen Samstag waren wir auch auf einer Entlassungsparty. Die Schneiderin von Ruth hat ihre Ausbildung abgeschlossen und uns zu der party eingeladen. Wirklich interessant, auch wenn ich nicht viel verstanden habe. Das Englisch von den offiziellen Leuten war so schwer zu verstehen. Aber da auch Ruth als Englaenderin kaum was verstanden hat, war ich doch irgendwie ganz beruhigt. Das problem ist nur, dass man bei diesen Festen um das Essen nicht immer herum kommt. So lange es sich dabei um Reis mit Sauce handelt ist das fuer unsere Maegen auch kein Problem. Aber da man als “special guest” nur das beste bekommen soll, wird einem meist Fleisch oder Fischkopf vor die Nase gesetzt. Wie zum Teufel isst man den bitte Fischkopf. Ist da ueberhaupt was dran? Zum Glueck gaben sie uns nur ein kleines Stueck Fleisch und nach 3 Bissen fing die Zeremonie an.Dadurch war nur leichtes Bauchgrummeln das Ergebnis anstatt wirkliche Magenprobleme. Am selben Abend haben wir als Entschaedigung dafuer das bisher beste Essen bekommen, das wir in Kamerun hatten. Nachdem uns Laura vergangene Woche schon mit chinesischem Essen (mit echter Soya Sauce) beglueckt hat (ebenfalls unter den Top5 der kamerunischen Essenscharts), haben Dee und Simon aus Bamenda ein super leckeres Huhn ergattern koennen. Das war das erste Mal dass ich seit 3 Wochen Fleisch gegessen habe und es wirklich lecker war! Ihr seht die Freiwilligen helfen sich hier gegenseitig um ein bisschen Abwechslung in den Essensalltag zu bekommen. Als naechstes sind irgendwann Ruth und ich dran mit Kochen. Bin schon am ueberlegen was wir machen koennen. Falls ihr Tipps habt, nur her damit. Angesichts der eher begrenzten Ressourcen ist das hier naemlich ein Problem. Am besten irgendwas mit Gemuese – Nudeln duerfen es auch sein. So damit entlasse ich euch mit diesen Hausaufgaben fuer diese Woche. Bis bald, Sven

Foto oben: Bamenda. Die Stadt dankt dem Praesidenten 1000 Mal! Das sagt das Plakat, in franzoesisch, obwohl es englischsprachig ist.

Foto1: mein Zimmer, Foto 2: Unser Badezimmer, die Kueche kommt naechstes Mal, Foto3: Kingsley klettert gerne mal in den Baum und holt sich fruechte, Foto 4: ich beim wandern, im Hintergrund die Wasserfaelle.
















Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen