Ja ihr habt richtig gelesen, der Regen hat Belo erreicht. Und das einen Monat zu frueh. Angeblich ist es zwar normal, dass es bereits im Februar ab und an ein bisschen regnet. Aber die vergangenen Tage hatten wir jeden Nachmittag einen kurzen Regenschauer. Auf unserem Wellblechdach hoert sich das dann genau so schoen an wie in einem Zelt. Nur das es manchmal so intensiv und laut ist, dass man sich so gut wie gar nicht unterhalten kann. Wir haben uns auf alle Faelle ueber den Regen gefreut. Unsere Nachbarn denken nun endgueltig dass wir verrueckt sind, nachdem sie uns im Regen haben tanzen sehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die ganzen Wege, die vorwiegend aus Sand bestehen, nun nicht mehr staubig sind. Der Regen ist zum Glueck noch nicht so intensiv, dass diese sich in Schlammschlachtfelder verwandeln.
Ansonsten haben wir vergangene Woche unsere Nachmittagsbetreuung mit den Kindern gestartet. Die Kinder sind wirklich super suess und generell sehr lieb. Das einzige Problem ist hier nur Teamarbeit. Generell ist e shier in der Gegend nicht ueblich mit anderen Leuten, vor allem anderen Organisationen, zusammenzuarbeiten. Dieses Denken wird den Kindern schon frueh in der Schule vermittelt in dem interne Klassenranglisten aufgestellt werden und ermittelt wird welches Kind das Beste ist. Also generell zaehlt es der Beste zu sein und das moeglichst ohne mit anderen zusammenzuarbeiten. Es wirkt fast so als ob die Leute hier, zumindest die meisten, allergisch gegen Gruppenarbeit und Kooperation sind. Dies haben wir auch selbst erleben duerfen, als wir versucht haben mit den Kindern Galgenraten und Voelkerball zu spielen. Dann verwandeln sich die kleinen suessen Kinder naemlich manchmal in kleine Monster und uebernehmen die Verhaltensweisen ihrer Lehrer und Eltern. Aggressives Auftreten und gegenseitiges Anschreien sind dann auf der Tagesordnung. Oder auch gerne mal gekloppe um den Ball – selbst im eigenen Team. Somit lautet die Mission fuer Ruth und mich nun, ihnen Teamplay wenigstens ein bisschen naeher zu bringen.
Vergangene Woche war dann auch die Woche der Zweisprachigkeit in der Schule. Eigentlich sollen die Kinder ja sowieso nur Englisch und Franzoesisch in der Schule sprechen, aber um wieder mal einen Grund zu haben nicht zuunterrichten musste die Woche etwas feierlicher aufgezogen werden. Ich nahm das als Anlass und habe mit meinen beiden Klassen franzoesische Lieder gesungen und ihnen ein kleines Gedicht ueber Tiere beigebracht. Die Songs habe ich auch mit meiner Kamera aufgenommen. Ihr koennt euch also ueber 100 singenden Kinder freuen, wenn ich wieder daheim bin.
Seit nun gut 2 Wochen haben wir auch einen neuen Mitbewohner, der uns jedoch in 10 Tagen schon wieder verlaesst. Worueber wir jedoch nicht so traurig sind. Er frisst uns quasi die Haare vom Kopf, versucht witzig zu sein indem er einen eigentlich beleidigt und ist generell schon eher ein dreister und unverschaemter Mensch. Das kann manchmal recht anstrengend sein und erinnert mich an meine Nicoletta Erfahrung in Frankreich. Aber ich atme dann tief durch wenn ich genervt bin und esse ein Haribo Cracker (fuer teures Geld aus Bamenda erstanden). Dann ist die Welt wieder dufte.
Ausserdem habe ich die letzten Wochen genutzt um wieder ein bisschen mehr von Belo zu entdecken. Vor allem die vielen Wasserfaelle in der naeheren Umgebung standen dabei auf dem Programm. So schoen. Falls ich mal meine Ruhe haben will und entspannen moechte, gehe ich dort auf alle Faelle wieder hin. Die lokalen Leute haben generell naemlich Angst vor Wasserfaellen und meiden sie lieber.
Vielen lieben Dank an all diejenigen, die mich mit Rezeptideen versorgt haben. Nun da ich den Food Market in Bamenda kenne, kann ich auch so leckere Sachen wie Rotkohl, Aubergine oder Zucchini ergattern. Daher gab es bereits Nudeln mit einer leckeren Gemuese Sauce und fuer unsere anderen Freiwilligen haben wir diese Woche eigenes Pesto gemacht. Als Nachtisch gab es dann Schokofondue mit Ananas und Banane. Ein Traum, sage ich euch! Ab und an muss man sich schliesslich was goennen. Deswegen haben wir gestern Abend auch wieder ein gemeinsames Abendessen veranstaltet. Im Moment sind wir allein in Belo sage und schreibe 9 Freiwillige und so langsam wird es Tradition, dass wir jeden Samstag zusammen kochen, essen und danach schwaermen wie gut es doch war. Aus diesem Grund gab es gestern wieder lecker Huhn aus Bamenda. Diesmal durfte ich selber das lebende Huhn an den Beinen greifen und gucken ob es gesund und schwer genug ist. Zum Glueck war die Huehnchenfrau auch so nett und hat es danach fuer uns umgebracht und gerupft. Das haette ich mir dann doch nicht zugetraut – vielleicht in 3 Monaten!
Ihr seht also mir gehts weiterhin gut und ich bin munter, gesund und noch voller Energie. Arbeitstechnisch gehts langsam auch ans Tourismusprojekt. Morgen stuerze ich mich dann auch endlich in dieses Projekt, so dass ich wahrscheinlich in naher Zukunft ziemlich ausgelastet sein werde mit dem Waisenprogramm, Unterrichten, Nachmittagsbetreuung und dem Tourismusprojekt. Aber ich freue mich drauf.
Ich meine es kann einem nur gut gehen, wenn…
…in einem Dorf im verlassenen Kamerun an einem Samstag morgen laut “The wind of change” von den Scorpions gespielt wird. Denn das ist ein Stueck Heimat!
…der Himmel nachts nicht dunkel ist, sondern voller leuchtender Sterne und der Vollmond die beste Taschenlamoe ist. (so was habe ich wirklich noch nie gesehen)
…man als Nachtisch wohl das beste Mousse au chocolat essen darf, das man je probiert hat und der Schokobedarf fuer die naechsten Tage gedeckt wird.
…Kinder versuchen meinen Namen auszusprechen und stattdessen Seven, Smith oder Stephan sagen. Das ist schon niedlich. Insbesondere wenn sie dann franzoesisch mit mir reden.
Aber noch besser geht es mir, wenn ich immer mal wieder Neuigkeiten aus der Heimat zugesendet bekomme. Ich denke auf jeden Fall an euch. Bis zum naechsten Mal!
Foto oben: unsere Kueche
Foto1: Wasserfaelle von Belo, Foto2: Sonnenuntergang in Belo, Foto3: ich vor einem der Wasserfaelle, Foto 4: After School Club, Uno spielen, malen und vor allem Rechenaufgaben!
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