Sonntag, 9. Januar 2011

Ich bin angekommen! Meine neue Heimat Belo.

Endlich schaffe ich es und melde mich aus Kamerun bei euch. Ich hoffe ihr habt euch keine grossen Sorgen gemacht, aber es ist schwer hier ins Internet zu kommen. Und wenn man Internet hat, ist die Verbindung sehr langsam.

Nun ist es fast schon eine Woche her, dass ich mich von der schoensten Landeshauptstadt Deutschlands auf den Weg nach Belo gemacht habe. Im Gegensatz zu den letzten Wochen hatte ich Glueck mit meinen Fluegen. In Paris hatte ich knapp 2 Stunden, um umzusteigen. Dort traf ich dann Ruth aus England, die die gesamte Zeit mit mir in Belo bleiben wird. Dann ging es auch schon in den Flieger nach Douala – mit sovielen Fragen, Zweifeln aber auch mit viel Vorfreude auf die naechsten 4 Monate meines Lebens. Wahrscheinlich die aufregendsten und spannendsten bisher.

Als wir nach 7 Stunden Flug in Douala dann aus dem Flugzeug stiegen bliess uns die feuchte warme Luft quasi ins Gesicht und unter die Haut. Ohne irgendetwas zu tun, faengt man direct an zu schwitzen. Eine wirkliche Umstellung von Minusgraden zu 30 Grad. Im Gegensatz zu den Erzaehlungen vieler anderer Leute hatten wir kein Problem ins Land zu kommen und erhielten beide unsere Stempel – ohne dafuer zu bezahlen. Und da wir fast die letzten Passagiere waren, war das grosse Chaos an der Gepaeckausgabe ebenfalls schon vorbei. Nur leider kam Ruths eines Gepaeckstueck nicht mit unserem Flieger, so dass wir anstatt direct am naechsten Tag nach Belo zu reisen, noch eine Nacht laenger in Douala blieben und auf den Air France Flug am naechsten Tag warteten. Am Flughafen trafen wir dann auf Joshua, unseren Organisationsleiter. Wir wurden von ihm wirklich herzlich empfangen. Douala ist genau so wie ich mir afrikanische Grossstaedte vorgestellt habe, stickig, laut, viele Menschen, viel Verkehr, grosse Unterschiede zwischen arm und reich. Wirklich beeindruckend, aber irgendwie fuer die erste Zeit zu anstrengend. Ich war also sehr froh dass Ruth tasche am naechsten Tag mit dem Flieger aus Pairs kam und wir uns am Mittwoch auf dem Weg nach Belo machten. Vor uns lag eine 7 Stunden Busfahrt von dem wohl beeindruckendsten Busbahnhof den ich in meinem Leben gesehen habe. Haette man mir nicht gesagt dass es ein Busbahnhof ist, haette ich es wohl nie gedacht. Auf dem Weg verkauften von der Strasse aus viele Menschen frisches Obst und Wasser an die Leute im Bus. Ausserdem unterhielten uns immer wieder neue Leute im Bus. Zuerst war es eine sehr glaeubige Frau die uns daran erinnerte wie wichtig der Glauben an Gott ist. Der ganze Bus sang Kirchenlieder und sie las aus der Bibel vor. Spaeter wollte jemand dann ein paar seiner Heilprodukte verkaufen – die fanden aber nicht so viel Absatz. Nach 7 Stunden Fahrt kamen wir dann in Bamenda an. Kameruns drittgroesster STadt und Hauptstadt der Nord-West Provinz. Dies ist eine der beiden Provinzen bzw. Regionen, die offiziell englischsprachig ist. Dort nahmen wir dann direct ein Taxi und fuhren nach Belo. Das Wetter war bereits wesentlich angenehmer. Nicht so warm wie in Douala, frische Luft und vor allem nicht so feucht. Dafuer aber sehr trocken und staubig. Als wir in Belo in unserem Haus ankamen war es bereits dunkel und hinter uns lagen 12 Stunden Fahrt insgesamt. Um naemlich ein Ticket zu kaufen waren wir bereits um 6.30 am Busbahnhof in Douala. Der Bus fuhr jedoch erst um 10.15 los, obwohl er um 9 eigentlich losfahren sollte. Busse fahren erst los, wenn alle Plaetze belegt sind, egal wie viel Verspaetung dadurch entsteht.

Zum Abendbrot gab es dann Fisch mit Brot. Und ich muss sagen, dass Essen schmeckt eigentlich immer sehr gut. Nur manchmal sind unsere Maegen einfach nicht dran gewoehnt. Wir waren wirklich ziemlich kaput, installierten nur unsere Moskitonetze und gingen ins Bett. Wir leben fuer die Verhaeltnisse hier in einem echt guten Haus. Manchmal gibt es kein Wasser oder Strom, aber es ist okay. Wir haben eine richtige Toilette mit einer halbwegs funktionierenden Spuelung. Wenn kein Wasser da ist, holen wir welches aus Fluessen oder Brunnen und spuelen damit unser Klo bzw. Waschen uns auch mit dem Wasser aus kleinen Eimern. Wir haben einen kleinen Gaskocher, so dass wir mit einfachsten Dingen ganz leckere Sachen kochen koennen. Es gibt sogar Nudeln zu kaufen.

Am naechsten Tag trafen wir dann unserer Koechin sowie unsere Mitbewohnerin Erin aus den USA. Beide auch super lieb und alles was Victorine kocht schmeckt wirklich lecker. Bisher gab es vor allem sehr viel Gemuese und dazu Reis oder Kartoffeln. Ausserdem hatten wir schon das Traditionsgericht Fufu und JamaJama. Jamajama ist wirklich sehr lecker (aus Huckleberry gemacht, sieht aus wie Spinat), Fufu hingegen schmeckt nach nicht viel und ist eine typische Kornart hier. Die letzten tage verbrachten wir also vor allem damit Belo zu erkunden. Das bedeutet wir wurden der lokalen Polizei vorgestellt, bekamen einen Einblick in die Geschaefte, wo man was kaufen kann, trafen viele locale Leute, die hier alle sehr freundlich sind. Generell ist Belo wirklich toll. Die Landschaft drum herum ist beeidruckend, viele Berge, kleine Fluesse, Palmen, Bananenbaeume usw. Gestern waren wir zum Beispiel 6 Stunden Wandern, so dass ich meine Wanderschuhe einweihen konnte. Im Moment ist alles eben nur sehr trocken, deswegen freue ich mich schon auf die Regenzeit. Angeblich beginnt sie im Maerz und dann wird alles gruen sein und bluehen. Dann wird das meiste sicherlich noch viel schoener sein. Ausserdem haben wir auch andere Freiwillige kennengelernt, die fuer andere Orgnaisationen in der Naehe arbeiten. Insgesamt sind wir 7 Westerner (wie die Kameruner sagen) in Belo. 2 Amerikanerin, 2 Englaender, 2 Deutsche und 1 Belgierin. Deswegen haben wir dann auch gleich die Weggehmoeglichkeiten in belo gezeigt bekommen. Es gibt ein paar kleine Bars wo wir uns meistens auf ein Bier treffen und ein bisschen erzaehlen koennen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Belo nach unseren Massstaeben wirklich eher ein Dorf ist. Generell freuen sich die Leute Weisse zu sehen und wenn man irgendwo hingeht wie zum Beispiel zur Polizei oder in Schulen dann bleibt fuer einen Moment die Welt stehen. Zumindest wirkt es so. Das kann manchmal echt unangenehm sein, weil ich zumindest mit dieser Aufmerksamkeit schwer umgehen kann.

Ein weiteres Abenteuer ist auf alle Faelle Taxi und Motorrad fahren. Im Taxi sitzen mindestens 4 vorne und 4 hinten. Auf einem Motorrad bis zu 4 Leute. Es ist halt alles sehr anders als bei uns, aber man gewoehnt sich doch schnell daran. In Douala dachte ich manchmal noch “Warum mache ich das alles”, aber inzwischen bin ich echt froh hier zu sein. Das Leben zeigt einem oft wie engstirnig und verwoehnt wir in einigen Dingen sind. Die Eimerdusche nach unserer Reise zum Beispiel war die beste Dusche, die ich bisher in meinem Leben hatte. Wenn man 4 Tage lang in den selben Sachen rum laeuft, ist jede Erfrischung einfach nu rein Traum.

Ich koennte jetzt noch stundenlang weitererzaehlen, da ich taeglich so viel erlebe, so neue Eindruecke bekomme, die ganzen Unterschiede vor Augen gefuehrt bekomme und allein so viele Kleinigkeiten mich irgendwie beeindrucken. Wie ihr sicherlich merkt faellt es mir schwer alles in Worte zu fassne. Ich glaube das Beste wird sein euch alles zu erzaehlen, wenn ich wieder komme. Wobei wahrscheinlich das Beste ist, wenn ihr alle diese Erfahrung irgendwie mal macht. Man kann es glaube ich einfach nicht beschreiben. Aber ich hoffe ihr habt jetzt erst mal einen ersten Eindruck in mein Leben in Belo bekommen. Die naechsten Tage werde ich auf alle Faelle auch anfangen zu arbeiten, wobei ich noch herausfinden muss ob ich nur an dem Tourismusprojekt arbeiten will. Ich haette wirklich auch Lust ein bisschen wenigstens zu unterrichten. Vielleicht Franzoesisch. Ich halte euch auf alle Faelle auf dem Laufenden und freue mich ueber jede Nachricht. Bitte habt Verstaendnis dass die Antworten von mir ein bisschen dauern koennen. Ich hoffe dass ich auch bald Fotos hochladen kann. Liebe Gruesse aus dem sonnigen Belo bei circa 28 Grad!

P.S Entschuldigt die schlechte Schreibweise und die Formatierung des Berichts. Hier fehlen mal wieder die oes, aes und ues und ich war zu faul sie zu suchen.

2 Kommentare:

  1. Hallo Sven, toll, danke für den ausführlichen Bericht. Das hört sich cool an, aber das Leben in Belo scheint alles andere als "bequem" zu sein.
    Ich hoffe, dass dein Lehrerprojekt klappt.

    Bon courage!!!!!
    Annette

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  2. Ich bekomme Fernweh wenn ich das lese. Ich wünsche dir eine ganz wunderbare Zeit.

    Liebe Grüße (tina von alex)

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